hiroshima Still ruht die BombeSeite 3/3
»Apokalypse-Blindheit« angesichts der Overkill-Kapazitäten
Was ist seither geschehen? Warum erscheinen diese Thesen, bei aller Sympathie mit den Autoren, heute so fremdartig? Wie konnten die Atombomben – nach den Phasen der sexualisierten Faszination, des pazifistischen Protests und der Apokalyptik – aus den Horizonten kultureller Aufmerksamkeit verdrängt werden, obwohl (nach konservativer Schätzung) weltweit immer noch rund 20000 Nuklearwaffen aufbewahrt werden? Wieso bedarf es eines Gedenktags, um die präsente Drohung zahlloser Overkill-Kapazitäten überhaupt in Erinnerung zu rufen? Warum sind die Atombomben scheinbar »erkaltet« und erzeugen, ganz im Gegensatz zur Gen- und Biotechnologie, keine kulturellen Imaginationen mehr, keine Bilder, Filme oder Texte?
Der Hinweis auf das Ende des Kalten Kriegs oder auf die »neuen Kriege« – von den Balkankriegen bis zu den Terroranschlägen vom 11. September – reicht offenkundig nicht aus, weil er zusätzlich erklären müsste, wieso diese Entwicklungen nur selten mit nuklearen Eskalationsrisiken assoziiert werden. Günther Anders könnte immerhin bemerken, er habe schon 1956 die »Apokalypse-Blindheit« der Menschen analysiert: »So also ist die Situation. So beängstigend. Aber wo ist unsere Angst? Ich finde keine. Noch nicht einmal eine Angst mittlerer Größe kann ich finden. Wie ist das möglich?« – Eine Antwort auf diese Frage fehlt bis heute.
Thomas Macho ist Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin
- Datum 04.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 04.08.2005 Nr.32
- Kommentare 2
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Als Kommunikationsfachmann empfehle ich : Eine ( sehr, sehr selten gezeigte ) BBC- Dokumentation über die Folgen eines Atomangriffs auf eine Großstadt (hier London), schlichtweg eine Sensation, brutal schockierend und ehrlich, müßte jede Woche einmal nach der Tagesschau gezeigt werden. Dann erübrigt sich der Zeit Artikel mit der klugen Frage.
Die Menschen würden sich sorgen, aufwachen. Doch Verdrängung ist mediengerecht, paßt gut in die Quoten.
Atomkrieg ist kein Medienthema, also existiert er nicht.
So einfach ist das ...oder ?
Leider wird beim ersten Kommentar zum Artikel nicht deutlich, um welche Dokumentation es sich handelt. Ich vermute, dass Peter Watkins "The War Game" gemeint sein könnte, wobei es sich hier weniger um eine Dokumentation als um einen Film im Dokumentationsstil handelt (schließlich ist Europa bisher glücklicherweise von Atom-Explosionen verschont geblieben) und nicht London sondern Kent der Ort der Handlung ist:
http://en.wikipedia.org/w...
Was einzelne Geistesgestörrte mit Atomwaffen anrichten könnten und wie buchstäblich krank die mit Atomwaffen verfolgte Strategie der "mutually assured destruction" (MAD) ist, wird auch durch Stanley Kubricks "Dr. Seltsam" sehr schön veranschaulicht:
http://en.wikipedia.org/w...
Von ehemaligen CDU-Bundespolitikern hört man öfter intelligente Äußerungen, als vom aktuellen Personal (war auch schon bei Klaus Töpfer so, der als UN-Umweltbeauftragter eher GRÜNE Positionen vertritt):
"Wenn wir die Atomwaffen nicht beseitigen, werden sie uns beseitigen. Wenn nicht heute, dann morgen."
Der frühere CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer in Zeit 32/2005
(http://www.zeit.de/politi...)
Vlado Plaga aus Dortmund
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