Dem Modekonzern Gerry Weber droht ein hoher Schaden, weil die Europäische Union (EU) überraschend ein Importverbot für in China gefertigte Strickwaren verhängt hat. Dabei geht es um eine Summe von 25 Millionen Euro, sagte Gerhard Weber, der Vorstandsvorsitzende des westfälischen Unternehmens. Das entspricht etwa sieben Prozent des Jahresumsatzes. Vom Importverbot seien bei uns etwa 300 000 Pullover betroffen, die der Konzern in China vor einiger Zeit geordert hatte und bezahlen muss, nun allerdings nicht mehr weiterverkaufen darf.

Anlass für den Importstopp war ein Streit zwischen der EU und der Volksrepublik. Nach dem Wegfall der Textilhandelsquoten zu Beginn dieses Jahres hatten die Einfuhren billiger chinesischer Bekleidung erheblich zugenommen. Um zu starke Marktverzerrungen zu vermeiden, durfte die EU vorübergehend neue Quoten erlassen. Weil diese für Strickwaren angeblich erschöpft waren, verhängte sie am 21. Juli ein Verbot für alle weiteren Einfuhren - dieses aber rückwirkend für den 12. Juli. Pullover, die zu dieser Zeit schon auf dem Weg nach Europa waren, werden für die Käufer nun zum Problem. Jede Woche kommen neue Schiffe an, aber die Ladung dürfen wir nicht verkaufen, sagt Weber, höchstens vernichten. Der Warenfluss sei auch nicht so schnell zu stoppen, weil die Verträge mit den chinesischen Lieferanten teilweise noch aus einer Zeit stammten, als in der EU noch gar nicht über ein Importverbot diskutiert wurde.

Gerry Weber ist besonders hart getroffen, weil der Konzern seine Pullover oft als so genannte Themen weitervertreibt, also in Kombination mit anderen Kleidungsstücken. Unvollständige Sets dürften ihm die Einzelhändler aber kaum abnehmen. Stattdessen könnten sie Schadensersatz verlangen - für unvollständige Lieferung.