Wäre Angela Merkel so pointiert im öffentlichen wie im halb privaten Diskurs, hätte sie Gerhard Schröder in der Art des Hans Fürstenberg geantwortet, statt wider eine zweite TV-Debatte zu murren. Der legendäre Bankier aus Weimarer Zeiten, von einem treffsicheren Pistolero zum Duell gefordert, beschied dem Sekundanten: "Falls ich mich verspäte, soll er schon mal ohne mich anfangen."

Wir wünschen uns zwei, drei, viele TV-Duelle – und zwar nicht, weil wir insgeheim den Wahlhelfer für den Mann mit der staatstragenden Stimme machen wollen. Wir wollen beide ohne Spin-Doktoren und Sprechzettel sehen, ganz nah und gut ausgeleuchtet. Denn wir wissen längst, dass Parteiprogramme so erhellend sind wie medikamentöse Beipackzettel und ohnehin nur bis zum "Kassensturz" gelten, den jede neue Regierung dazu nutzt, alle Versprechen zu brechen. Wir wollen wissen, wie die beiden mit Überraschungen fertig werden, wie oft sie in die Versatzstück-Kiste greifen, wie standhaft sie unter Druck agieren. Wir wollen vor allem ihre Körpersprache sehen, den Schlüssel zum Wesen von Menschen, die es gelernt haben, sich wohlgefällig zu präsentieren. Alles eben, was ein autorisiertes Interview nicht offenbart.

Versprechen sind wohlfeil; umso mehr zählt das Vertrauen vor dem Wahlgang. Freilich möge man die vertrauensbildende Wirkung solcher TV-Duelle auch nicht überbewerten. Greifen wir wieder zurück auf Fürstenberg. Der zeigte einem jungen Eleven an der Berliner Börse einen Händler und sprach: "Das ist der größte Schurke hier." – "Aber woher wissen Sie das?" – "Ganz einfach, er hat das ehrlichste Gesicht."