Jawohl, als ich diesen Artikel las, habe ich vibriert: vor Wut.

Ich bin über 60 Jahre alt und fast vierzig Jahre im Schuldienst.

Oberstudienrat, Fächer Deutsch und Geschichte.

Und dann lese ich in meiner ZEIT, wie ich meinen Job machen soll. Und: Ach, wissen Sie. Es ist ein nicht auszurottender Mythos, dass kleinere Klassen automatisch zu besserem Unterricht und zu höheren Lernergebnissen führen ...

Jeder, der einmal länger als vier Wochen diesen Job gemacht hat, weiß, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob ich 15 oder 30 Schüler in der Klasse habe - und zwar für beide Seiten ein himmelweiter. Bei 15 Schülern ist mein Unterricht stressfrei, und ich arbeite konzentriert - die Schüler lernen mehr, weil ich entspannter bin und mich sogar um einzelne kümmern kann. Und beide Seiten haben weniger Störungen zu verarbeiten.

Halten Sie gebeutelten Lehrern gefälligst Leute vom Hals, deren Erkenntnishorizont auf der Ebene dahindümpelt: Von den Vietnamesen lernen heißt siegen lernen ... Oder laden Sie sich vier, fünf Leute meines Schlages ein, und setzen Sie sie einen Tag an einen Tisch, dann haben Sie Erhellendes über unser Schulsystem. (Eine erste sinnvolle Forderung wäre beispielsweise, diese ausgeruhten Schultheoretiker aus der Etappe an die wankende Schulfront zu führen, bevor sie weiteren Schaden anrichten können. Am besten in eine 9.

Klasse mit 32 Schülern. Vier Wochen lang, das reicht zur Heilung.)