Es gibt sie ja, diese Morgen: Man ist komplett ausgeschlafen, die Haut rosig, der Blick klar, man fühlt sich ein bisschen wie ein Baby. Neugeboren. "Like a baby" soll sich auch der Gast im gleichnamigen Zimmer 202 im Kopenhagener Hotel Fox fühlen. An der Tür zur Toilette klebt ein Töpfchen, und er schläft in den Armen einer rothaarigen, zum Stillen barbusigen Comic-Mummy, die auf die Wand rings um das Bett gemalt ist. Darüber wurde ein Kuschelmonster-Mobile installiert. Überdimensional, der Liegende soll sich ja klein fühlen.

Ob wir Kinder vom Hotel Fox in diesem Zimmer je Schlafende werden? Aber es muss ja niemand hier bleiben: "Wir setzen auf den freien Willen unserer Gäste", erklärt die Rezeptionistin Louise. Bevor sie einen Schlüssel aushändigt, muss der Gast sich auf einem Bildschirm Fotos aller freien Zimmer ansehen und eines aussuchen.

Das kann dauern, denn im Hotel Fox gleicht kein Zimmer dem anderen. Zur Präsentation des neuen, jugendlich-billigen Volkswagens hatten 21 Illustratoren, Grafiker und Designer aus der ganzen Welt 109 Tage Zeit, in den 61 Zimmern des ehemaligen Park-Hotels ihren persönlichen Raum-Traum zu verwirklichen. Vier Wochen im Frühjahr dieses Jahres war das Hotel von Hunderten Motorjournalisten belagert, dann ging es zurück an die Eigentümer. Die nutzen es jetzt als das, was es war – ein ganz normales Hotel.

Allerdings haben viele Reiseagenturen, die für ihre Kunden buchen, noch nicht mitbekommen, dass sich weit mehr als nur der Name geändert hat. Deshalb stehen häufig gesetzte Geschäftsmänner mittleren Alters leicht überfordert an der Rezeption, weil sie gezwungen werden, ein Zimmer auszusuchen. "Da kennen wir keine Gnade", sagt Louise, auch wenn die Gestressten seufzen: "Ach, geben Sie mir doch einfach irgendeines."

Die Zielgruppe dagegen, mehr oder weniger jugendlich, Mode- und Hipness-interessiert, hat das Konzept verstanden: "Die meisten sehen sich die Zimmer im Netz an und schicken vor der Anreise eine Mail", sagt Louise. Am beliebtesten ist das Rote Zimmer, schlicht und feuerrot angestrichen. Andere mögen die verkitschte Geißenpeter-Idylle. Cool-witzige Manga-Optik. Und sogar den Disneyland-trifft-Jeff-Koons-Albtraum voller Cartoons, Plastikspielzeug und Stofftiere. In einem Zimmer ist ein Zelt aufgebaut, in dem der Gast schläft, in einem anderen steht ein Plastikbaum. Wer nett fragt, darf nach ein oder zwei Nächten umziehen: "Das erlauben wir gerne, wenn unsere Zimmermädchen nicht zu viel Arbeit haben", sagt die Rezeptionistin. "Schließlich soll hier jeder möglichst viele neue Erfahrungen machen."

Ein mütterlicher Gedanke: Die Hotel-Kinder sollen viel Buntes mitnehmen aus der Fox-Welt, wenn sie in ihre triste Realität zurückkehren. Wir sind gerührt von so viel Fürsorglichkeit und schlafen trotz der schwebenden Monster in den Armen der rothaarigen Mummy durch. Zum Frühstück am nächsten Morgen hat Mummy Sandwiches gemacht, in kleinen Papiertütchen, fertig geschmiert. Manchmal gibt es Lachs, manchmal Putenbrust, Mozzarella-Tomate oder Salami. Glücksache, ein bisschen so wie früher beim Pausenbrot. Da hat die echte Mutti auch nicht immer Rücksicht darauf genommen, dass wir am liebsten Kirschmarmelade mochten.

Wer im Hotel Fox Marmelade will, hat Pech gehabt, es sei denn, er akzeptiert sie als Füllung in aufgerollten Pfannkuchen. Die sind übrigens nicht einfach auf Teller gelegt, sondern in Wassergläser gefaltet. Am ersten Morgen finden wir das witzig. Am zweiten Morgen verstehen wir, dass es in einem lässig-loungigen Frühstücksraum ohne Tische leichter ist, Pfannkuchen aus Gläsern statt von Tellern zu essen. Und am dritten Tag setzt der Reflex ein, den Erwachsene immer verspüren, wenn sie Mummy besuchen: Sie wollen nach Hause. Ganz dringend. In ihre ganz normalen vier Wände.