DIE ZEIT: In Rumänien beklagt selbst der Präsident die Korruption im eigenen Land. Müssen Sie als Chef der europäischen Betrugsbehörde Olaf nicht gegen den rumänischen EU-Beitritt sein?

Franz-Hermann Brüner: Wir haben den Eindruck, dass die Probleme erkannt und gelöst werden. Viele rumänische Minister kommen heute von selbst bei uns vorbei. Der Anti-Korruptions-Staatsanwalt bemüht sich redlich. Jeder weiß: Ohne Erfolge im Kampf gegen die Korruption wird der Beitritt infrage gestellt.

ZEIT: Vor ihrem Beitritt machten auch die zehn neuen Mitgliedsstaaten Schlagzeilen, weil dort geschmiert und betrogen wurde. Und heute?

Brüner: Wir haben mit den Regierungen dort schon vor dem Beitritt im Mai 2004 Anti-Betrugs-Sondereinheiten aufgebaut. Außerdem sind die Neuen sehr sensibel. Sie haben das Gefühl, dass alle mit der Lupe beobachten, was sie mit "unserem" Geld machen. Deswegen herrscht dort auch nicht das Gefühl: Jetzt sind wir drin im Club und lehnen uns erst mal zurück.

ZEIT: Wie korrupt ist Europa?

Brüner: Korruption kann man schlecht messen. Tötungsdelikte lassen sich zählen, da kann man eine Steigerung oder einen Rückgang feststellen. Korruption hingegen ist eine sehr verdeckte Form der Kriminalität. Strukturell neu ist die jetzige Form von Industriekorruption nicht.

ZEIT: Vereine wie Transparency International versuchen sehr wohl, per Korruptionsindex Länder zu vergleichen.