Franz-Hermann Brüner hat einen unmöglichen Job. Den einen ist der bayerische Oberstaatsanwalt in europäischen Diensten zu weich, den anderen ist er zu hart. Freunde macht er sich mit seiner Arbeit kaum. Doch das soll er wohl auch nicht. Der erste Chef der 1999 gegründeten Antibetrugsbehörde Olaf (Office européen de lutte anti-fraude) ermittelt gegen jene, die die Europäische Union betrügen oder sonst wie schädigen. Milliardenschwere Zollvergehen der Zigarettenindustrie, veruntreute Fördermittel für das Kosovo oder schwarze Kassen bei der Statistikbehörde Eurostat – die Palette der Fälle ist breit. Und so hat die junge Behörde mehr als genug zu tun, zumal sie wegen ihres ungewöhnlichen Status immer wieder unter Beschuss gerät. Denn Olaf ist der EU-Kommission unterstellt und untersucht gleichzeitig Vergehen in dieser Behörde. Olaf ermittelt zwar, übergibt seine Ergebnisse dann aber den Behörden des betroffenen Landes, weil nur die ein Verfahren eröffnen dürfen.

Ein typischer EU-Kompromiss, lebt der Zwitter Olaf vor allem von der Kompetenz seiner Mitarbeiter und seines Chefs. Dass die Arbeit immer besser gelingt, bescheinigte im Juli eine parlamentarische Anhörung. Da fanden zum Erstaunen der Olaf-Führung selbst eingefleischte Kritiker zum Lob. ( pin/van )