Es ist ein großes Geschäft, das Geschäft mit der Geldwäsche. 1500 Milliarden Dollar, so schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF), werden jedes Jahr weltweit gewaschen. Das entspräche fünf Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Im Vergleich dazu verblassen die mehreren Hundert Millionen Euro, um die es im aktuellen Fall Commerzbank gehen soll.

Wer Geld wäscht, will dessen kriminelle Herkunft, zum Beispiel Korruption oder organisierte Kriminalität, verschleiern. Ist das Geld einmal legal, kann es der Staat den Verbrechern nicht mehr nehmen. Gewaschen wird in drei Phasen: Einschleusen, Verschleiern, Anlegen.

Beim Einschleusen wird illegal erworbenes Bargeld auf ein Bankkonto, in eine Lebensversicherung oder in einen Fonds eingezahlt und so in offizielles Buchgeld verwandelt. Anschließend wird das Geld mehrfach transformiert, überwiesen und gewechselt, um seine Herkunft zu verschleiern. Fast immer fließt es dabei über Konten in Finanzhäfen wie den Bermudas. Weiß gewaschen, kehrt das Geld irgendwann wieder zurück, und zwar als gängige Anlage in Aktien, Firmen oder Anleihen. So stärken Verbrecher ganz legal ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht – vor allem in Europa.

Bekämpft wird die Geldwäsche noch nicht allzu lange. Die USA erklärten sie in den achtziger Jahren zur Straftat, um den Drogenhandel zu bekämpfen; später verbreiteten UN und OECD das Konzept von Geldwäsche auch woanders als Straftat. Die EU verabschiedete 1991 ihre erste Richtlinie zur Bekämpfung, seit 1992 ist Geldwäsche auch in Deutschland strafbar. Weil sich Terroristen ebenfalls aus gewaschenen Geldern finanzieren, wurde der Kampf nach dem 11. September 2001 international verstärkt.

Traditionellerweise wird Geldwäsche dort verfolgt, wo Schwarzgeld zum ersten Mal in den offiziellen Finanzkreislauf einfließt. Deshalb überprüfen deutsche Banken die Identität von neuen Kunden und von Nichtkunden, die mehr als 15000 Euro einzahlen. Darüber hinaus müssen sie die elektronischen Zahlungsströme überwachen und bei auffälligen Transaktionen Alarm schlagen – 2004 gab es in Deutschland rund 8000 solcher Fälle. Unter Experten gilt diese Ausbeute als mager.

Problematisch ist aus Sicht der Banken, dass sie oft nicht unterscheiden können, ob auffällige Summen von Geldwäschern oder Steuerflüchtlingen stammen – und an der Jagd auf Steuersünder wollen sie sich nicht beteiligen. Außerdem fehlt vielfach das Geld. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Bearingpoint klagen 60 Prozent der Geldwäschebeauftragten deutscher Banken über mangelnde interne Unterstützung. "Geldwäschebekämpfung wird oft als Kostenfaktor gesehen, dem keine Erträge gegenüberstehen", sagt Coautor Ralf Temporale. Das gelte besonders für kleine Banken.

Nicht selten schauen Mitarbeiter einfach weg. "Die Zeiten sind hart und die internen Zielvorgaben für die Mitarbeiter auch. Bei lukrativen Geschäften wie im Investmentbanking können Mitarbeiter in Versuchung geraten, nicht nach der Herkunft von Geldern zu fragen", sagt Temporale. Ernest Backes, der in Frankreich ein Institut für Wirtschaftskriminologie aufbaut, sieht die Akzeptanz von Geldwäsche sogar fest im System verankert: "Bei vielen Großbanken ist das informelle Politik." Einige Geldwäscheexperten, so etwa Barry Rider von der University of London, zeigen sich inzwischen sehr pessimistisch: "Der Kampf gegen die Geldwäsche ist verloren."