Ausgerechnet in einem Bocksbeutel kommt der Papstwein Vinum Benediktum daher, der offizielle Messwein für den katholischen Weltjugendtag in Köln. Dass die religionssymbolisch riskante, an den Gottseibeiuns erinnernde Flaschenform den Wein an der Transsubstantiation zu hindern vermöchte, wird freilich niemand glauben wollen. Nein, dies ist unbedingt ein harmloses Getränk. Unter dem profanen Drehverschluss befindet sich ein grundehrlicher Frankenwein und ein charakteristischer noch dazu, abgefüllt von der Städtischen Weinkellerei Schloss Saaleck in Hammelburg im Jahr 2004. Ein klassischer Jahrgang im Gegensatz zu dem davor, der allerhand übertriebene Aromabomben hervorbrachte.

Dieser Wein jedenfalls ist definitiv keine. Seine blasse weißgrüne Farbe deutet Seele an, das Bouquet indessen hat nichts Metaphysisches; er riecht ganz einfach frisch, fruchtig und traubig. So schmeckt er auch, nach Trauben eben, mitsamt ihren Kernen allerdings. Der flüchtige Bitterton zeigt an, dass das Getränk von dieser Welt ist; es führt auch nicht geschmacklich in eine andere hinüber.

Es gibt durchgeistigte Weine, wenngleich nur wenige davon in Franken, aber Silvaner dient nun einmal typischerweise sehr diesseitigen Zwecken; er ist ein guter Essensbegleiter oder auch ein Erfrischungsgetränk.

Wie kann man es ausdrücken, ohne jemandem zu nahe zu treten, den Kellermeistern nicht und auch nicht der Kirche? Vielleicht so: Der Papstwein ist nett und sauber. Geradlinig, einfach, ohne Nachhall, und lange Haltbarkeit ist nicht zu erwarten.

Das ist auch vollkommen in Ordnung, Messwein soll sich schließlich zum offenen Ausschank eignen. Für die Zwiesprache mit Höherem eignet sich dann eher ein alkoholreicher Châteauneuf du Pape.

Das Etikett des Vinum Benedictum soll ein örtlicher Künstler entworfen haben. Bei näherer Betrachtung klingt das plausibel. Der Papstwein kostet sechs Euro pro 0,75-Liter-Flasche und acht Euro aus der Literflasche.