Es gibt Spiele, die gehen immer wieder von vorne los, und nie gibt es ein Ergebnis, außer jenem, dass sich alle Beteiligten nach jeder Runde etwas schlechter fühlen als vorher. Der Nuklearpoker zwischen Teheran und den so genannten EU3-Staaten (Großbritannien, Frankreich, Deutschland) gehört zu diesen zermürbenden Übungen.

Zurzeit werden zwischen Teheran und Brüssel wieder Drohbriefe hin-und-hergeschickt. Die Iraner kündigen an, dass sie die Uran-Anreicherung wieder aufnehmen werden. Die Europäer drohen ihnen mit Abbruch der Verhandlungen. Das ist schon mehrmals geschehen, und mehrmals haben sich die beiden Parteien wieder an einen Tisch gesetzt, um zu verhandeln. Diesmal aber könnte es sein, dass die Unterhändler nicht mehr zusammenfinden.

Warum? Anders als vor sechs Monaten gibt es auf beiden Seiten teilweise neues Personal, und die Neuen haben andere Prioritäten.

Iran hat jetzt einen Präsidenten namens Machmud Achmadinedschad. Dieser Mann ist als Konservativer in sein Amt gewählt worden. Er hat sich seinem Volk als Hardliner präsentiert, der die Prinzipien der Revolution verinnerlicht hat und sie um jeden Preis verteidigen will. Zu diesen Prinzipien gehört auch, dass sich Iran jede Einmischung von außen verbittet. Schon deshalb war mit Achmadinedschads Wahl neue Härte zu erwarten. Die Ankündigung Irans, die Uran-Anreicherung wieder aufzunehmen, gehört zu den "Wir lassen uns nichts vorschreiben!"-Signalen. In Wahrheit sollen sie mehr nach innen denn nach außen wirken.

"Selbstvertrauen und Hoffnung bestimmten Achmadinedschads Wahlkampf", schreibt Stefan Reisner, ein Iran-Kenner der Stiftung Wissenschaft und Politik. Achmadinedschad wurde weniger für eine konkrete Politik gewählt als vielmehr für ein Gefühl. "Es geht! Wir können es!" lautete der zentrale Inhalt seiner Kampagne.

Aber auch Gefühle können Folgen haben. Der iranische Verhandlungsführer in Sachen Atomenergie, Hassan Rohani, trat vor wenigen Wochen zurück. Er wollte dem neuen Präsidenten nicht dienen. Ihm folgte Außenminister Kamal Kharrazi. Als wahrscheinlicher Kandidat für den Posten des iranischen Chefdiplomaten ist Ali Laridschani im Gespräch. Der hatte in der Nuklearfrage immer eine sehr harte Position vertreten. Auf Uran-Anreicherung wollte Laridschani nie verzichten. Anreichern und gleichzeitig verhandeln, das ist seine Position.

Auch unter den Europäern – besonders bei den Franzosen – hat sich einiges geändert. Das Image des französischen Präsidenten Jacques Chirac ist seit dem Scheitern des EU-Verfassungsreferendums ramponiert. Chirac verspürt in dieser Situation keinerlei Bedürfnis, sich von den Iranern zum Narren halten zu lassen. Deshalb hat sein neuer Premier, Dominique de Villepin, nun Iran ungewohnt scharf mit dem "Gang vor den UN-Sicherheitsrat" gedroht, falls die Mullahs die Uran-Anreicherung wieder aufnehmen sollten. Das Gremium, so lautet die Drohung, könnte Sanktionen verhängen.