DIE ZEIT: Sie haben in über einem Dutzend deutscher Konzerne ermittelt, Sie kennen die Schwachstellen der deutschen Wirtschaft. Wir wüssten gern: Wo ist Schmiergeld geflossen?

Thorsten Mehles: Ich kann und werde nicht über unsere Mandanten sprechen, das müssen Sie verstehen.

ZEIT: Ist eigentlich jeder korrumpierbar? Bei welchem Betrag würden Sie schwach werden?

Mehles: Nicht jeder ist käuflich. Allerdings bestehen häufiger Korruptionsgefahren als oftmals angenommen.

ZEIT: Wie wird man korrupt?

Mehles: Korruption ist ein Prozess. Menschen, die sich über einen längeren Zeitraum beruflich ungerecht behandelt fühlen, sind anfällig. Wenn Kollegen auf der Karriereleiter vermeintlich zu Unrecht an einem vorbeiziehen, wenn jahrelang erwartete Bonuszahlungen ausbleiben, dann kann es passieren, dass einige sich kriminell das zurückholen, was ihnen nach ihrer Einschätzung zu Unrecht vorenthalten wurde.

ZEIT: Dann entschließen sie sich eines Tages auf dem Weg zur Arbeit, kriminell zu werden?