Marl

Bei fünf Prozent Arbeitslosen in der Branche ist das Selbstbewusstsein der Lohnabhängigen noch ungebrochen. Nicht ohne Befriedigung wird Gewerkschaftsführer Ulf Baranowsky vernommen haben, dass ein Vertreter der organisierten Arbeitnehmerschaft unlängst zwei Dumping-Offerten kühl zurückwies: "Für das Gehalt nicht."

Doch die Zeiten werden härter, auch im Profifußball, und 50 Arbeitslose unter 1000 Berufskickern künden davon. Letztes Jahr waren zum Saisonauftakt nur zehn Profis arbeitslos, macht 400 Prozent mehr! Als Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV sieht Baranowsky die Entwicklung mit Sorge, zumal Hartz IV auch in Fußballkreisen, gelinde gesagt, umstritten ist. "Dafür kann ich doch gerade einmal essen gehen", hörte er einen seiner Schützlinge sagen.


[Fotogalerie: In der Fußballschule des ehemaligen Torjägers Ingo Anderbrügge werden die arbeitslosen Kicker fit gemacht. Fotos von Veit Mette/laif ]

Aber Baranowsky verzagt nicht. Vom Typus her eher Manager als Funktionär, vertritt er eine Klientel, die mit der Devise "Fordern und Fördern" durchaus etwas anzufangen weiß. Befristete Verträge, Leiharbeit, all das ist branchenüblich. In Fragen der Arbeitszeit sind Berufsfußballer flexibel, was den Arbeitsplatz angeht sogar im globalen Maßstab – wenn beispielsweise der 23-jährige Ex-Regionalligaspieler Abdou-Nassirou Ouru-Akpo nicht bald einen neuen Arbeitgeber in Deutschland findet, kickt er demnächst wieder im Bürgerkriegsstaat Togo.

Dann doch lieber nach Marl, ins Trainingslager des VDV! Mögen andere Gewerkschaften vor allem Arbeitnehmerinteressen vertreten, der VDV kümmert sich auch um seine Arbeitslosen. Im nördlichen Ruhrgebiet halten sie sich derzeit in vier bis fünf schweißtreibenden Übungseinheiten pro Woche fit für ihren Arbeitsmarkt. Ach, wenn ver.di und IG Metall doch Ähnliches leisteten!

Die Kehrseite dieser Einsatzfreude ist ein beklagenswerter Mangel an Solidarität unter Fußballprofis. Gewisse Härten des Kickerdaseins werden im VDV-Trainingslager geradezu mit Schadenfreude gesehen. Schließlich ist ein verletzter Kollege für einen stellungslosen Fußballer in der laufenden Saison die einzige Chance, doch noch Arbeit zu finden.