Über die Situation des Einzelhandels schreibt der Autor, leer stehende Ladenlokale in den Seitenstraßen der Städte zeugten zwar oft von tragischen Unternehmensschicksalen, aber ebenso von einem Abbau der Überkapazität - einer heilsamen Krise also. Damit geht der Autor literarisch leichtfüßig sozusagen über Leichen.

Ohne ewiggestrig die Zeit zurückdrehen zu wollen, darf man sich doch wünschen, dass es in unseren Städten und Gemeinden nicht nur in den Hauptstraßen Geschäfte gibt, sondern auch in den Seitenstraßen. Der nächste Schritt wäre nämlich sonst: auch keine Geschäfte mehr in den Hauptstraßen und nur noch Malls am Stadtrand.

Außerdem könnte man ja unter Einzelhandel etwas anderes als beispielsweise Metro, Rewe und Lidl verstehen. Denn was daran noch Einzel-Handel ist, das ist ja wohl die Frage.

Vor einem Jahr meinte der Chef von Procter & Gamble im ZEIT-Interview sinngemäß, dass er abgestoßen sei vom Kaufverhalten der Deutschen, die ihre Kaufentscheidungen nur noch über den Preis fällen würden. Das aber ist die neoliberale Saat, die aufgeht, die eigentliche, ökonomische und vor allem kulturelle Krise. Der Titel Ihres Artikels müsste also eigentlich lauten: Wenig Läden, großes Leid. Das ist die Wirklichkeit.

MATTHIAS FINKENTEY, WIEN, ÖSTERREICH