Usbekistan, das muss man als Erstes wissen, liegt nördlich von Afghanistan. Als Zweites ist wichtig, dass die Bundeswehr in dem Land einen Militärstützpunkt mit 300 Soldaten unterhält, von dem aus sie ihr Isaf-Kontingent am Hindukusch versorgt. Man könnte freilich auch erwähnen, dass Usbekistan von einem Diktator regiert wird, der seine Untertanen foltern und, wenn sie aufmüpfig werden, zu Hunderten erschießen lässt. Aber wer sucht schon Streit auf dem Boden eines so wichtigen Gastgebers?

Nun, die Amerikaner haben es getan. Sie haben von Präsident Islam Karimow nach dem Mai-Massaker in Andischan so entschieden die Achtung der Menschenrechte eingefordert, bis dem schließlich der Geduldsfaden riss. Am vergangenen Wochenende wies der Despot der krittelnden Weltmacht die Tür.

Innerhalb 180 Tagen hätten sie ihren Stützpunkt in Karschi-Chanabad zu räumen.

Und Berlin? Erinnert sich noch jemand an die ehrgeizigen moralischen Ziele rot-grüner Außenpolitik? Wir messen, so steht es im Koalitionsvertrag, der weltweiten Durchsetzung von Menschenrechten zentrale Bedeutung zu. Im ethischen Ernstfall Usbekistan bedeutete dies: Joschka Fischer zeigt sich besorgt über die Unruhen und schließt sich der (US-)Forderung nach einer Untersuchung an. Er hätte auch, wie Washington, dem Diktator die Finanzhilfen kappen können. Stattdessen übergab am Dienstag die deutsche Botschaft dem usbekischen Militär Sanitätsmaterial im Wert von 280 000 Euro.