Ein Aspekt bleibt leider in Ihrem ansonsten glänzenden Artikel ein wenig unterbelichtet: Ihr Autor findet eine ganz normale Oberstufenklasse vor, die aber allerdings das absolute Kontrastprogramm bietet zu allem, was uns immerzu suggeriert wird, und macht uns dadurch klar: Pisa ist nicht alles! Nein, es kommt eben nicht nur auf Lesefähigkeit, Mathematik und Faktenwissen an. Und schon gar nicht, ob man nun Schifffahrt mit drei oder zwei f schreiben soll! Eine ganz andere Qualifizierung ist doch ausschlaggebend: Eigenständigkeit, fairer Umgang und Rückgrat, letztlich auch Politikinteresse. Und wenn deutsche Gymnasialklassen in etwa so aussehen wie die von Ihnen beschriebene - ich bin der Überzeugung, das ist der Fall -, dann relativiert sich für mich vieles in der kafkaesken Debatte um die Pisa-Studie. Die Kultusminister diskutieren an jeglicher Realität vorbei.

FREDERIK BECKER, 17 JAHRE, BRAKEL

Über den Tenor des Artikels habe ich mich etwas gewundert. Vermisst denn der Autor Revolte um jeden Preis? Mir scheinen diese jungen Leute mutig und mit Zivilcourage ausgestattet. Vor allem aber haben sie primitive Idealisierungen und Entwertungen, die zu tumbem Mitläufertum oder tumber Revolte führen, schon überwunden. Es sind mündige Individualisten mit sozialem Engagement.

Sie zeigen Höflichkeit und Mitmenschlichkeit und wagen es sogar, zu ihrer persönlichen Meinung zu stehen, auch wenn diese zufällig die Meinung des Direktors ist.

Sie sind Erben Kants, nur ihrem Gewissen verpflichtet, das sie mit Wissensaneignung und sozialen Erfahrungen (Rettungsdienst, Kirchentag, Ferienarbeit et cetera) theoretisch und praktisch weiterentwickeln.

Vielleicht zu wenig verrückt, aber ohne Träume? Danach hat der Autor leider nicht gefragt.

DR. E. SCHMITT, BAD SALZUFLEN