Aus Protest gegen den für Mitte August geplanten Abzug aus dem Gazastreifen hat der israelische Finanzminister Benjamin Netanjahu seinen Rücktritt eingereicht. Vizepremier Ehud Olmert wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Kurz bevor das israelische Kabinett am Sonntag eine Räumung der ersten drei von insgesamt 25 Siedlungen genehmigte, machte Netanjahu grundsätzliche Bedenken gegen den Plan von Ministerpräsident Ariel Scharon geltend. "Es gibt einen Weg zu Frieden und Sicherheit, ein einseitiger Abzug unter Feuer und ohne Gegenleistung ist aber sicher nicht der Weg", schrieb Netanjahu in seiner Rücktrittserklärung. "Ich bin nicht bereit, Partner für einen solchen Schritt zu sein, der die Realität ignoriert und blind damit fortfährt, (den Gazastreifen) zu einer Basis für islamistischen Terrorismus zu machen, der den Staat bedroht", schrieb er weiter.Das israelische Kabinett stimmte der ersten Phase des Abzugs mit klarer Mehrheit zu. 17 Minister hätten für die Räumung votiert und fünf dagegen, berichteten israelische Medien. Zu der ersten Phase des Abzugs gehört die Aufgabe von drei isolierten Siedlungen im Gazastreifen. Die Regierung will Mitte des Monats mit der Räumung des Gazastreifens beginnen, später folgt das nördliche Westjordanland. Scharon bekräftigte, der Abzug werde wie geplant stattfinden.Netanjahu sagte auf einer Pressekonferenz, er habe wirtschaftliche Reformen erfolgreich umgesetzt und wolle nicht als Politiker in Erinnerung bleiben, der den Gaza-Abzug beschlossen hat. "Ich sehe den einzigen Weg zur Bekämpfung von Terror im Kampf gegen die Terroristen, nicht indem ihnen Gesten zuteil werden", sagte er.Netanjahu, der mehrfach in Machtkämpfen mit Scharon unterlegen war, hatte die Räumung bereits zuvor kritisiert. Ohne Erfolg hatte er einen Aufschub gefordert. Der Streit um den Abzug hatte den Likud (Rechts) gespalten. Netanjahus Rücktritt kurz vor dem Abzug galt auch als ein Schachzug im politischen Ringen der beiden Politiker. Netanjahu war von 1996 bis 1999 selbst israelischer Ministerpräsident.Unterdessen klagte die israelische Militärjustiz am Sonntag einen Militärrabbiner wegen Aufrufes zur Befehlsverweigerung an. Der Rabbiner habe Soldaten an einem Übergang zu den jüdischen Siedlungen im Gazastreifen aufgefordert, sich nicht an der Räumung der Siedlungen zu beteiligen, sagte eine Militärsprecherin in Tel Aviv.Im südlichen Gazastreifen töteten israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben einen 23-jährigen Palästinenser. Die Soldaten hätten plötzlich das Feuer eröffnet, als der Mann aus seinem unweit der Grenze zu Ägypten gelegenen Haus kam. Israelische Militärsprecher sagten, sie wüssten nichts von dem Vorfall.