Sie schreiben, in Deutschland grassiere das K-Virus (pardon: Auch wenn es auf -us endet, ist das Virus ein Neutrum), und zählen die drei K auf: Kumpanei, Korruption, Kriminalität. Diese drei K seien inzwischen in Firmen und Behörden gelebter Alltag, und etwa 70 Prozent der von ihm Befallenen seien ohne Unrechtsbewusstsein. Spontan fallen mir zu diesen drei K vier andere K ein: Kohl, Kiep, Koch, Kanther, ebenfalls ohne jegliches Unrechtsbewusstsein. Wenn es sich bei den von Ihnen beispielhaft aufgeführten Verantwortlichen von VW, Infineon und ARD um Führungskräfte von Unternehmen handelt, so waren und sind die vier anderen K Träger hoher und höchster öffentlicher Ämter, die einen Eid geleistet haben, die Verfassung und die Gesetze zu achten.

Möglicherweise wähnen sie sich in einer mindestens 40 Jahre alten Tradition der Bundesrepublik, die mit den Skandalen Onkel Aloys, Fibag und Starfighter begann - erstaunlicherweise immer in unmittelbarer Nähe von Franz Josef Strauß, bei dem sich das K-Virus durch dauerhaften Befall in ein erbliches K-Gen mutiert hatte - über den Flick-, den Minol-ELF- und den Parteispendenskandal bis hin zu den in der Schweiz versteckten Millionen der hessischen CDU, die - Gipfel der Geschmacklosigkeit - von dan kbaren jüdischen Spendern stammen sollten.

Was soll einen Manager, der es lediglich als seine Aufgabe ansieht, Geld und - wie auch immer - nichts als Geld zu verdienen, und der keinen Eid auf Gesetz und Verfassung leisten muss, davon abhalten, sich Geld auf eine ähnliche Art und Weise zu beschaffen wie beispielsweise ein ehemaliger vereidigter oberster Verfassungsschützer, der wegen Korruptionsverdacht jahrelang flüchtig ist? Da die Treppe von oben gekehrt werden sollte, dort oben aber keiner einen Besen schwingt, kann jeder auf den tieferen Stufen reinen Herzens glauben, genau so wenig kehren zu müssen wie die auf dem höchsten Podest. VW, Infineon und ARD sind bestimmt nicht die letzten, die vom K-Virus befallen sind.

RAIMUND SCHOLZEN, TRIER

Dass die Vorgänge bei VW, Infineon und insbesondere den öffentlich-rechtlichen Systemen aufgedeckt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen, steht außer Zweifel. Kritischer und bisweilen investigativer Journalismus können dazu einen wichtigen Beitrag liefern. Moralisch verurteilen aber dürfen solche Vorgänge meiner Meinung nach nur diejenigen, die ihrer eigenen Integrität ganz sicher sein können.

Dazu gehört auch der Verzicht auf die Inanspruchnahme jeglicher Vorteile für Journalisten. Wer nämlich mit absoluter Gewissheit behauptet, er ließe sich nicht durch Journalistenrabatte bei Autos oder Computern oder auch die Gewähr von freiem Eintritt zu kulturellen Veranstaltungen mit einem Presseausweis korrumpieren, der lügt entweder oder ist ein Teil der Mitnehmen-was-man-bekommen-kann-Gesellschaft, die der fruchtbare Boden für das K-Virus ist.

ANKE RÖVER, MÜNCHEN