Der Hanseat als solcher pflegt Haltung zu bewahren. Erhöhte Lautstärke, aus welchen Gründen auch immer, ist seine Sache nicht. Andererseits ist er durchaus imstande, gewisse Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, Tatsachen wie, sagen wir, zwölf Prozent Arbeitslose oder an die 20 000 Euro Schulden je Einwohner. Und er ist imstande, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Dies muss vorausgeschickt werden, weil verschiedentlich die Frage aufgeworfen worden ist, was die Bewohner einer an Tradition nicht ganz armen Hafenstadt veranlasst hat, beim Anblick eines einzigen Schiffes vollständig die Contenance zu verlieren. Um unter den abstoßenden Szenen beim Einlaufen des Kreuzfahrtschiffes Queen Mary 2 in den Hamburger Hafen am Anfang der Woche nur die würdeloseste zu nennen: Jedes Tuten des mächtigen Schiffshorns wurde mit einem Jubelsturm vom Ufer beantwortet, so las man es hernach in der Lokalpresse.

Die Antwort auf die Frage, wie das möglich war, liegt natürlich in den geschilderten Verhältnissen. An die fünfzig Millionen Euro für Einzelhandel und Gastronomie, auch das ist eine Tatsache.

Aber rechtfertigt sie jeden Exzess? Nie zuvor habe ich erlebt, dass so viele Menschen ein Schiff sehen wollen, erklärte der verblüffte Kapitän der Queen beim Anblick der jubelnden Hamburger. Mit anderen Worten: Unter den großen Hafenstädten der Welt hat sich keine andere je so erniedrigt.

Jetzt muss abgerechnet werden. Und dann ist die Frage zu beantworten, ob es das wert war.