Rumänien Zwischen Westen und WalacheiSeite 5/5

Europa, das sei der neue, gute König für sein Land, sagt Adrian Severin. Der ehemalige Außenminister sitzt in seinem Büro unter den Cartoon-Zeichnungen früherer rumänischer »Könige«, darunter seine Parteifreunde Nastase und Ion Iliescu. Dieser »König Europa«, meint Severin, habe Rumänien Disziplin gebracht, einen legalen Rahmen geliefert, dazu den Anstoß gegeben, aus einer autoritären eine aufgeklärtere Gesellschaft zu machen. In einfacheren Worten hört man Ähnliches immer wieder: »Europa gibt uns die Sicherheit, dass wir frei sein können«, sagt Stefan Varfalvi, der Chef des Arbeitgeberverbandes Ugir. »Europa gibt den Menschen Vertrauen in die Zukunft und mehr Selbstbewusstsein«, sagt der deutsche Manager Harald Gitschner.

Im Herbst wird die EU-Kommission in einem weiteren Bericht beurteilen, wie weit Rumänien auf dem Weg nach Europa gekommen ist. Eines ist dabei jetzt schon sicher: Ohne die Aussicht, Mitglied im europäischen Club zu werden, wäre das Land noch weiter zurück. Ohne die Chance zum Beitritt würde es noch weniger tun. Wie die anderen Länder Osteuropas zuvor benötigt auch Rumänien Brüssel und seine Werte und Regeln für den Wandel.

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Dabei gehe es, sagt der Rumänien-Kenner in der Bukarester EU-Vertretung, »nicht um Perfektion. Es geht darum, Minimalanforderungen zu erfüllen, die für Wettbewerb, Wachstum und die Einhaltung europäischer Vorschriften nötig sind.« Mit anderen Worten spielt es keine Rolle, dass Rumäniens Durchschnittslöhne derzeit zehnmal niedriger sind als die in Deutschland oder dass sechs der zehn ärmsten Regionen in einem künftigen Europa der 27 in seinen Landesgrenzen liegen würden. Es geht nur darum, dass dies einmal anders werden könnte.

Polen verzeichnete 1991 ein Pro-Kopf-Einkommen von 2000 Euro, heute ist es etwa fünfmal so hoch. Wächst Lettland so weiter wie bisher, werden seine Menschen im Jahr 2032 im Durchschnitt mehr Geld zur Verfügung haben als die Deutschen. Warum soll es in Rumänien anders gehen?

 
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