Das Land rätselt, was sich verändern könnte, wenn eine Frau es regiert. Eine Änderung ist schon zu beobachten: Es würde fortan heftiger als je zuvor über die Kleidung der Person im wichtigsten Amt diskutiert werden. Was für eine Aufregung, als Angela Merkel kürzlich im Abendkleid in Bayreuth auftauchte. Ist die Farbe nun Apricot, Lachs oder doch eher Orange? Seither ist eine weitere Frau Figur des politischen Berlins geworden: Anna von Griesheim, Merkel-Schneiderin für die Oper und den Alltag.

Vor sieben Jahren, als Schröder Kanzler wurde, bekannte er sich zu einem Anzug von Brioni. Danach wurde Schröder als Brioni-Kanzler verhöhnt. Nur vordergründig richtete sich der Unmut gegen die teure Marke, wirklich unverzeihlich war: Ein Kanzler redet über Mode. Die Kleidung männlicher Politiker wünscht sich das Volk unauffällig, am besten, wie die des bayerischen Innenministers Beckstein, aus dem Fabrikverkauf stammend. Merkels mögliche Amtszeit aber wird begleitet sein von dauernden Anna-von-Griesheim-Interpretationen. Für die Designerin ist das eine Gefahr: Sie könnte leicht zum Udo Walz der Mode werden. Für Männer ist es eine Hoffnung auf Emanzipation: Wenn schon die Bundeskanzlerin Mode trägt, dürfen sie es auch bald.