Das sicherlich spektakulärste Schnellschachturnier der Welt findet Jahr für Jahr auf deutschem Boden statt: das Mainz Chess Classic. Es ist erstaunlich, wie der Organisator Hans-Walter Schmitt immer wieder neue Höhepunkte aus dem Ärmel zaubert.

In diesem Jahr wird das Turnier sogar um zwei Tage verlängert, zu Ehren von Wolfgang Unzicker, der am 26. Juni seinen 80. Geburtstag feierte. Viele Jahre konnte er, obwohl immer als Richter arbeitend und insofern reiner Amateur, mit den Besten der Welt mithalten, immer noch erzielt er am Spitzenbrett vom Schachklub Tarrasch München 1945 gute Ergebnisse. Dass sich zum Auftakt des Mainz Chess Classic am 9./10. August der mehrfache Vizeweltmeister Wiktor Kortschnoj und die beiden Exweltmeister Boris Spasskij und Anatolij Karpow in einem Viererturnier mit ihm messen werden, ist ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk.

Vom 11. August an gibt es dann die alljährlichen großen Schnellschach-Opens. Beim "Schach 960" wird jeweils die Aufstellung der Grundreihen ausgelost, dabei gibt es insgesamt 960 Variationen, eine davon die uns bekannte Grundstellung. So wird jegliche theoretische Vorbereitung vermieden, jeder ist allein auf sich gestellt. Die Idee geht auf den ehemaligen Weltmeister Bobby Fischer zurück, der offenbar nicht nur Verrücktes im Schädel hatte. Mainz ist heute unzweifelhaft der Nabel der Welt bei dieser immer stärker werdenden Bewegung, folgerichtig verteidigt dort denn auch der russische Weltklassespieler Peter Swidler seinen WM-Titel im Schach 960 gegen den Ungarn Zoltán Almasi. Ein begeisterter Verfechter dieser freieren Schachform ist Eckhard Freise: "Man kann auch im Schach 960 rattenscharfe Stellungen hinbekommen" – diese Ausdrucksweise hätten wir von einem Professor für Mittelalterliche Geschichte und erstem Millionengewinner bei Günther Jauch nicht erwartet. Darüber hinaus kämpft der unbestrittene Schnellschachkönig Viswanathan Anand, gegen das große russische Talent Alexander Grischuk. Vor einiger Zeit gewann Anand in Monte Carlo mit großem Vorsprung, wobei ihm im Kampf der beiden derzeit Führenden in der Weltrangliste gegen den Bulgaren Veselin Topalow ein reizendes Mattfinale gelang.

Ein reizendes Mattfinale vom Schnellschachkönig

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 31:

Mit welcher listigen Abwicklung gewann Weiß am Zug? Nach 1.Lxe5! drohte die Springergabel 2.Sf4+, so wäre 1…Dxe2 wegen 2.Sf4+ Kf5 3.Txf7+ und 4.Sxe2 hoffnungslos. Schwarz versuchte noch 1…Db1+ 2.Kg2 Lxe5 , gab aber nach dem stillen 3.Sc3! mit Angriff auf die Dame auf, denn 3…Df5 verlöre nach 4.Dc4 + Kf6 (4…Kd6 5.Sb5 matt) 5.Txf7+ Haus, Hof und Dame