Die Kaninchen »landeten« in Australien, als im Jahr 1859 der Engländer Thomas Austin 24 der Mümmelmänner mit auf den Kontinent brachte. In Australien gab es vor der Besiedlung durch den Menschen außer Beuteltieren und Fledermäusen keine Säugetiere, sodass jede neu eingeführte Art sich in Abwesenheit natürlicher Feinde ungehindert vermehren konnte. Bei den Kaninchen kam noch der sprichwörtliche Fortpflanzungstrieb dazu, und so wurden sie binnen weniger Jahrzehnte zur kontinentalen Plage, die das kostbare Weideland ratzekahl fraß.

1901 beschloss eine königliche Kommission, den Südwesten des Landes, der noch weitgehend karnickelfrei war, mit einem Zaun zu schützen, der das Land in Nord-Süd-Richtung von Küste zu Küste durchzog. Der »No.1 Rabbit Fence« war mit über 1.800 Kilometern der längste Zaun der Welt. Ständig mussten Ranger auf Kamelen und Fahrrädern kontrollieren, ob er auch wirklich keine Löcher hatte.

Der Erfolg war nicht sehr durchschlagend: Schon 1904 wurden westlich des Zauns Kaninchen gesichtet. Die Regierung ordnete den Bau eines zweiten und später eines dritten Zauns an, sodass die Kaninchensperre bis 1907 auf eine Länge von über 3200 Kilometern ausgedehnt wurde.

Genützt hat das alles nicht viel. 1930 schrieb ein lokaler Beamter an die Regierung, die Kaninchen seien mittlerweile in dem umzäunten Gebiet zahlreicher als außerhalb. Die Hasentiere sind weiterhin eine Plage in Australien, heute dient der Zaun als Schutz gegen Emus und Dingos.

Die wilden Hunde von den Schafherden fern halten sollte auch ein zweiter Rekordzaun, den die Australier errichteten: Der »Dingo Fence« durchzieht den Osten des Landes und war zwischenzeitlich über 8.000 Kilometer lang, länger als die Chinesische Mauer. Heute sind davon immerhin noch über 5.000 Kilometer übrig geblieben. Christoph Drösser

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