Als ich hörte, dass ich hier träumen darf, war mir sofort klar, was mein Traum ist. Er hat mit dem zu tun, was mich in den letzten fünf Jahren mehr als alles andere nachts wach gehalten hat und mich als Erstes heimsucht, wenn ich um drei Uhr morgens aufwache. Ständig diese Gedanken, die ich verscheuchen möchte. Ich sage mir, hör jetzt endlich auf, darüber nachzudenken! Ich will schlafen. Aber es nützt nichts. Ich muss immer wieder daran denken, wie die Republikaner die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 gestohlen haben.

Es gibt für mich keinen Zweifel daran, dass Al Gore damals gewonnen hat, und zwar mit deutlichem Vorsprung. Tausende Wahlzettel wurden gestohlen und zerstört. Viele wurden vom Wählen abgehalten, vor allem Schwarze. Offiziell hatte George W. Bush am Ende in Florida angeblich 539 Stimmen mehr. In Wahrheit hat er wahrscheinlich mit über 20 000 Stimmen zurückgelegen.

Ich liege also nachts wach und denke an die enormen Folgen dieser Wahl. Das Schlimme ist nicht, dass wir einen republikanischen Präsidenten haben. Das Schlimme ist, diesen Präsidenten zu haben. George Bush will eine Welt, die der ähnelt, in der er aufgewachsen ist. In dieser Welt zählen nur weiße Männer mit sehr großem Vermögen, alle anderen sind dazu da, den Erwählten zu dienen.

Mein Traum ist ganz einfach. Ich träume davon, das Land aus den Händen der Republikaner zu befreien. Kenne ich den Weg dahin? Ja und nein.

Die Republikaner haben brillante Taktiker und sind hervorragend organisiert. Sie bauen ihre Macht aus, indem sie zunehmend die Grenzen auflösen zwischen dem Staat und der Religion, den Konzernen und Medien. Es ist wie in einem autoritären System, jedenfalls, was die Art des Regierens betrifft. Das tägliche Leben in den USA macht zum Glück nicht diesen Eindruck. Wir leben nicht in einem Polizeistaat, auch wenn manche das behaupten.

Nachdem Bush die Wahl verloren und das Oberste Gericht ihm aus der Patsche geholfen hatte, war die Stimmung in den USA: Wir müssen diesen Disput hinter uns bringen und Bush als Präsidenten akzeptieren. Bush hat dann eines sehr gut verstanden: Um Macht zu erlangen, muss man Macht ausüben. Also legte er los mit äußerst destruktiven, polarisierenden Maßnahmen. Er tat einfach so, als hätte er gerade einen überwältigenden Sieg errungen. Das war brillant. Das Dumme war, dass auch die Amerikaner zu glauben begannen, dass Bush eine Mehrheit hinter sich habe.

Es fällt mir schwer, an eine schnelle Erfüllung meines Traumes zu glauben, aber im Traum ist ja alles möglich. Meine Hoffnung beruht darauf, dass ein großer Teil der Bevölkerung Bush nicht akzeptiert. Und eigentlich habe ich ja nur einen ganz bescheidenen Traum. Ich will, dass eine Partei die Macht an eine andere abgibt. Das ist in unserem Land schon oft passiert.

Der erste Schritt wäre: bei nächster Gelegenheit nicht nur irgendeinen Demokraten zum Präsidenten zu wählen, sondern einen, der weiß, wie man Macht ausübt. Der bereit und fähig ist, die Hegemonien der Republikaner zu schwächen.