Frankfurt

Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) meldet dieser Tage einen Erfolg.

Er hat dreieinhalbtausend illegale Ausländer enttarnt, und das mit Hilfe einer schlichten Fragebogenaktion. Freilich handelt es sich um Illegale einer besonderen Art. Sie sind ordentlich gemeldet, sie zahlen Steuern, viele glaubten sogar, Deutsche zu sein. Welch ein Irrtum! Sie haben, teilt der Minister mit, alle Rechte verloren, die mit der deutschen Staatsbürgerschaft verbunden sind. Denn sie haben sich nach dem 1. Januar 2000 türkische Pässe ausstellen lassen.

Hessen und sein Kampf gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, das ist ein geschichtsträchtiges Thema. Vor sechseinhalb Jahren wurde Roland Koch mit seiner Doppelpass-Kampagne Ministerpräsident und brachte die gerade neu gewählte Bundesregierung um ihre Mehrheit in der Länderkammer. Für Rot-Grün war das der Anfang vom Ende, der Doppelpass war gescheitert.

Aber ein Nachhutgefecht ist noch zu führen: gegen jene Ex-Türken, die sich um türkische Papiere bewarben und damit nach hiesigem Recht zu Ex-Deutschen wurden. Bis zur Bundestagswahl wollen Hessen und einige weitere westdeutsche Länder ihre Melderegister bereinigen. Mit den Präferenzen der Deutschtürken für SPD und Grüne hat das aus Volker Bouffiers Sicht nichts zu tun. Die Leute haben sich illegal in der Bundesrepublik Deutschland aufgehalten, sagt er, und das kann der deutsche Staat nicht hinnehmen.

Will er sie also abschieben? Nein, sagt Bouffier. Aber ihr Aufenthalt müsse legalisiert werden.

Die deutsch-türkische Wirklichkeit ist freilich komplizierter. Die Tageszeitung Hürriyet berichtete vom Fall einer Familie, die den Besitz türkischer Pässe ausgerechnet im Urlaub offenbarte, in der deutschen Botschaft in Ankara - nun darf sie nicht zurück nach Deutschland.