wasser Im Visier der WasserpolizeiSeite 3/3

Die Wasserkrise ordnet sogar die Gesellschaftspyramide neu. Wer Wasserrechte hat, kann die Macht erlangen. Seit alter Zeit gilt: » First in time, first in right .« Zu Deutsch: Wer zuerst kommt, trinkt zuerst. Und die Ersten waren hierzulande die Indianer. Wasser ist jetzt der wertvollste Bodenschatz, auf dem sie leben. Sie werden »zu den großen Wasser-Brokern des Westens gehören«, prophezeit Ann Philipps von der Umweltorganisation Audubon Society. Manchmal kommt es zu rot-grünen Koalitionen aus Indianern und Umweltschützern. Zuletzt an Arizonas höchstem Berg, wo Rot-Grün neue Beschneiungsanlagen verhinderte. Die großen Verlierer im Wasserpoker stehen auch schon fest. Es sind Farmer und Rancher, die noch fast 70 Prozent des Wassers verbrauchen. Jeder Landwirt, der aufgibt, ermöglicht den Bau eines neuen Stadtviertels. So gehen Versteppung und Verstädterung einher. Die Romantik des alten Westens verschwindet durch den Wassermangel.

Wenn erst der letzte Tropfen zugeteilt und der letzte Prozess gefochten ist, dann werden Leute wie Ed Lopez zu Helden. Jeden Tag fährt er im weißen Kleintransporter in die Vororte Tucsons. Auf den Wagen klebt das blaue Logo der Wasserwerke. Er ist ein Zanjero. So hießen einst die Wasseraufseher in den Pueblos der Indianer. Nun haben die Wasserwerke die Tradition entdeckt und beschäftigen Zanjeros. Sechs Berater für ein paar hunderttausend Kunden. Wer anruft, soll Hilfe bekommen. Heute geht es in einen der feinen Vororte. Ed Lopez’ Arbeit beginnt, bevor er klingelt. Das Grundstück ist groß und sandig. Kakteen und Mesquite-Bäume stehen vor dem Haus. Im Staub findet Lopez einen Stahlkasten mit Wasseruhr und Zulaufhebel. Vorsichtig öffnet er die Box. Ans kühle Metall schmiegen sich gern Skorpione oder Schlangen. Er sieht sofort: alles trocken, kein Leck.

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An der Tür steht inzwischen der Hausherr, ein Mann um die 50, der sich den Traum vom Leben im sonnigen Süden verwirklicht hat und vor ein paar Monaten mit seiner Frau zugezogen ist. »Wir haben gelesen, man solle hier sparsam sein«, sagt er. Die Rechnung ist aber viel zu hoch: 68 Dollar für zwei Personen und Pool. Der Zanjero streift durchs Gelände und sieht: Die städtische Gartenrichtlinie wird eingehalten. Vor dem Haus nur heimische Wüstenpflanzen; allein im Innenhof Palmen und Blumenkübel, die täglich bewässert werden. Der Wasserberater will die Bewässerungs-Steuerung sehen: »Die Makler lassen den ganzen Tag lang Wasser laufen, damit Interessenten ein Blumenmeer in der Wüste bewundern können.« Eine Stunde bleibt der Zanjero, programmiert die Bewässerung neu und empfiehlt, eine Sparspülung in die Toilette einzubauen. Der Verbrauch dürfte sich halbieren.

Bis in die siebziger Jahre hat in Tucson niemand daran gedacht, Wasser zu sparen. Seither wird immerhin dafür geworben. Es gibt Richtlinien für Klempner und Gärtner und Duschköpfe, aber niemand wird zu etwas gezwungen. Neuerdings nutzt die Stadt aufbereitetes Wasser, um Golfplätze und Parks zu wässern. Künftig soll es Grauwasser auch zu trinken geben. » From toilet to tab « heißt das Programm, von der Toilette zum Hahn. Weil sich viele davor ekeln, gewinnt plötzlich die Sparsamkeit Anhänger. Sogar »radikale Vorschläge«, schreibt der Arizona Daily Star, fänden nun Anhänger. Und deshalb sei der »schockierende Vorschlag« des Kreisdirektors diskussionswürdig, demzufolge die Zahl der Swimmingpools in Neubauten drastisch eingeschränkt werden soll. Damit ständen in Tucson Zuwanderer gegen Altbürger und Wachstumsanhänger gegen Bremser. »Die Wasserfrage«, schreibt die New York Times, »öffnet Gräben in der Gesellschaft.«

Wie rigide Gemeinden sein können, führt Las Vegas vor. Um den nahen Wassernotstand zu vermeiden, verschwindet täglich Rasen von der Größe eines Fußballfeldes. Wer im Garten auf Grün verzichtet, bekommt eine Prämie. Und die Stadt entgrünt die Mittelstreifen der Stadtautobahnen. Las Vegas war freilich der Inbegriff amerikanischer Verschwendungssucht. Jeder Bewohner verbrauchte dreimal so viel Wasser wie andere Großstädter. Die Stadtmanager sprechen jetzt davon, das »Sparpotenzial« sei »hoch«.

Den Spezialisten gilt deshalb die Dürre als Segen. »Die Leute müssen das Gefühl bekommen, dass sie am Abgrund stehen«, sagt Kathy Jacobs. »Solange sie die Krise nicht wahrnehmen, geschieht nichts.«

 
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