Noch ist die Dürre in Spanien der Ausnahmezustand. In Zukunft könnte die extreme Trockenheit rund ums Mittelmeer zum Normalfall werden. Das prognostiziert Christos Giannakopoulos vom National Observatory of Athens, nachdem er die Daten eines britischen Simulationsmodells ausgewertet hat. Ergebnis: Steigt die globale Temperatur in den nächsten Jahrzehnten durch den Treibhauseffekt um zwei Grad, gibt es in Südeuropa jährlich 14 bis 28 mehr trockene Tage, der Niederschlag nimmt im Sommer um mehr als 30 Prozent ab. In Nordafrika könnte der Niederschlag um bis zu 20 Prozent zurückgehen.

Manche Wissenschaftler kritisieren zwar, das Modell sei zu grob, um detaillierte Vorhersagen zu treffen. Doch die Prognosen passen in den Konsens der Klimaforscher, die sich – zumindest was grundlegende Tendenzen angeht – einig sind: Global nimmt der Niederschlag im Mittel zu, weil bei steigenden Temperaturen mehr Wasser verdunstet. Die Verteilung wird jedoch regional sehr unterschiedlich sein. "In Mittel- und Nordeuropa sowie in Teilen der Tropen wird es mehr regnen, in Südeuropa dagegen weniger", prophezeit Stefan Hagemann vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Auch in den Subtropen und den kontinentalen Bereichen der mittleren Breiten wird der Niederschlag abnehmen. Davon wäre beispielsweise der Südwesten der USA betroffen.

Für Europa sagen die Klimaforscher neben räumlichen auch jahreszeitliche Unterschiede voraus. Während im Sommer der Niederschlag fast überall zurückgehe, werde sich im Winter ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle abzeichnen: Im ohnehin niederschlagsarmen Süden gibt es weniger Regen, im niederschlagsreichen Mittel- und Nordeuropa mehr.

Insgesamt also werden sich die Gegensätze verschärfen – auch durch das menschliche Verhalten. So zeigte kürzlich der Geograf Heiko Paeth von der Universität Bonn am Beispiel der Sahelzone, dass die Abholzung der Wälder dort einen größeren Einfluss auf das regionale Klima hat als der Treibhauseffekt. Wälder halten nämlich den Kreislauf aus Verdunstung und Niederschlag in Gang. Werden sie zerstört, fehlen wichtige Regenmacher. Paeths Berechnungen zufolge könnte die Niederschlagsmenge in Benin, Guinea oder Mali in den nächsten 20 Jahren um rund ein Viertel abnehmen. Die Folgen kann man sich ausmalen.