Warum gerade jetzt? Warum gibt Jürgen Schrempp mehr als zwei Jahre vor Ende seines Vertrags die Macht bei DaimlerChrysler ab? Weshalb verzichtet der Mann, der doch die Welt AG gestalten wollte, nun sogar darauf, seine Visionen wenigstens noch im Aufsichtsrat einzubringen? Wieso lässt er sich nicht einmal die restliche Vergütung seines formal bis 2008 laufenden Vertrags ausbezahlen? Hat der Mann, der sonst keinem Konflikt aus dem Weg ging, auf einmal Angst vor Kritik?

Jürgen Schrempp geht, Dieter Zetsche kommt, und der ebenfalls als Kronprinz gehandelte Mercedes-Chef Eckhard Cordes zieht beleidigt davon. Chaostage in Stuttgart-Möhringen. Ein geordneter Führungswechsel jedenfalls sieht anders aus.

Also: Warum gerade jetzt?

Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet Schrempp, der stets die Steigerung des Unternehmenswertes als oberste Maxime ausgegeben hatte ("Profit, Profit, Profit"), nun schon ein passables Quartalsergebnis genügte, um demonstrativ glücklich abzutreten. "I’m a very happy man", offenbarte er vergangenen Donnerstag per Telefonschalte der Welt. Kein Wort zur geplatzten Vision der Welt AG und dem unerfüllten Versprechen, aus dem deutsch-amerikanischen Unternehmen den "weltweit führenden und angesehensten Hersteller von Automobilen, Transportprodukten und Dienstleistungen" zu machen. Kein Wort zu der Mammutaufgabe, die sein Nachfolger Zetsche vor sich hat.

Schrempp selbst hält seinen überraschenden Abgang nach einer "schönen und wertvollen Zeit" für ein "masterpiece", ein Meisterstück der Kommunikation. Nichts sei vorab nach außen gedrungen. Er allein habe zusammen mit Aufsichtsratschef Hilmar Kopper den Termin ausgeguckt. Niemand habe ihn gedrängt, weder der verkaufswillige Großaktionär Deutsche Bank noch ungeduldige Aufsichtsräte.

Das ist die offizielle Version. Doch es gibt interessante Parallelen.

Beispiel Allianz: Im Dezember 2002 verkündet Vorstandschef Henning Schulte-Noelle von einer Stunde auf die andere seinen Rückzug. Hinterher heißt es, der Termin sei lange geplant gewesen; man gibt sich stolz, dass vorab nichts nach außen drang, und sagt, man habe eben jede schädliche Nachfolgediskussion vermeiden wollen. Tatsächlich hat der Nachfolger Michael Diekmann alle Hände voll zu tun, die Allianz wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.

Beispiel Siemens: Kurz bevor Heinrich v. Pierer im Januar 2005 den Chefsessel räumt, verkündet er noch ein Gewinnplus von 38 Prozent für das erste Geschäftsquartal. "Ich gehe mit einem guten Gefühl", sagt er. Inzwischen ist der Gewinn stark eingebrochen, und Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld verspricht harte Sanierungsmaßnahmen, um die Profitabilität zu steigern.