Ich höre sie, aber ich höre nicht auf sie. Das ist das berühmteste Zitat von Wim Duisenberg, dem ersten Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Es war seine Antwort auf die Frage, ob er die Rufe der Finanzminister nicht wahrnehme, die immer lauter eine Zinssenkung forderten.

Zwei andere unvergessliche Sprüche lauten: Ein Euro ist ein Euro und: Mr.

Euro bin ich. Mit Ersterem wollte Duisenberg Gelassenheit demonstrieren angesichts eines Wechselkurses gegenüber dem Dollar, der die ersten Jahre nur eine Richtung kannte - nach unten. Mit letzterem Zitat beanspruchte der Niederländer jene Position in der Währungsunion für sich, die, wenn es sie gäbe, dem Finanzminister für Euroland zustünde.

Duisenbergs Mission war heikel: Er sollte Vertrauen in die neue Währung bei Anlegern und Bürgern gleichermaßen schaffen, in ein Geld ohne Staatsgebiet und Regierungschef. Der schlagfertige Friese mit seiner imposanten Silbertolle war dafür genau der richtige Mann. Er gab dem Euro zwischen Januar 1999 und Oktober 2003 ein Gesicht und etablierte ihn als Hartwährung an den Finanzmärkten - mit trockenem Humor und immer mit einem Augenzwinkern.

Duisenberg hat in seinem Leben alle Stationen durchlaufen, von denen ein Volkswirt normalerweise nur träumt. Er war Wirtschaftsprofessor, Finanzminister, Vizepräsident der niederländischen Rabobank und von 1982 an 15 Jahre lang Präsident der Zentralbank seines Heimatlandes. In dieser Zeit erarbeitete er sich den Ruf, ein Stabilitätsapostel zu sein, der die Inflation bekämpft.

In Wirklichkeit machte er nur eines: Er koppelte den Gulden fest an die D-Mark und übernahm so die restriktive Geldpolitik der Bundesbank. Das machte ihn aus Sicht der Deutschen zum natürlichen Kandidaten für den Chefposten bei der EZB, wie es der damalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer ausdrückte.

Nachdem Duisenberg zunächst 1997 die Leitung des Europäischen Währungsinstitutes, des Vorläufers der EZB übernommen hatte, wurde er im Mai 1998 zum ersten EZB-Präsidenten gekürt. Zuvor hatte es unter den europäischen Regierungschefs heftigen Streit über die Besetzung dieses so wichtigen Postens gegeben. Die Franzosen wollten anstelle von Duisenberg - er war Kandidat der Deutschen - lieber ihren Landsmann Jean-Claude Trichet durchsetzen, den heutigen EZB-Chef.