Im Konflikt um das iranische Atomprogramm mehren sich die Anzeichen, dass Teheran den jüngsten EU-Vorschlag für eine Beilegung der Krise ablehnt. Der Sprecher des Außenministeriums, Hamid-Resa Assefi, sagte am Samstag, er gehe davon aus, dass die iranische Führung den Kompromissvorschlag Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens nicht akzeptieren werde. Der Sprecher betonte jedoch, dass eine endgültige offizielle Antwort in 48 Stunden erwartet werde.

Die EU-Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens hatten am Freitag der Teheraner Führung den neuen Vorschlag unterbreitet. Iran wurde darin die friedliche Nutzung der Atomenergie zugebilligt, solange der nukleare Brennstoff hierfür vom Westen bereitgestellt werde.

Unterdessen hat der neue iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, er wolle den Berufsdiplomaten Ali-Akbar Salehi zum Außenminister seiner künftigen Regierung machen. Das berichtete die neu eingerichtete Internet-Seite des Präsidentenbüros am Samstag. In der vergangenen Woche hatte die Nachrichtenagentur ISNA noch gemeldet, der erzkonservative Ali Laridschani solle Außenminister werden.

Laridschani gilt als Gegner jeglicher außenpolitischer Kompromisse und der Verhandlungen über das umstrittene Atomprogramm Irans mit der Europäischen Union (EU). In Teheran wurde spekuliert, dass Laridschani jetzt neuer Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates (NSA) und Chefunterhändler für die Atomgespräche mit der EU werden könnte. Der bisherige, als eher moderat geltende Verhandlungschef Hassan Ruhani war am Mittwoch mit der Amtseinführung Ahmadinedschads aus dem Amt geschieden.

Der künftige Außenminister Salehi (56) war bis Ende 2003 Gesandter Irans bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und gilt als einer der Architekten der Atomgespräche der vergangenen Jahre. Dabei zeigte es sich bemüht um einen Ausgleich, betonte aber zugleich Recht und Anspruch seines Landes auf friedliche Nutzung der Kernenergie.