Einen Tag nach der demonstrativen Wiederaufnahme der Uranverarbeitung in Iran berät am heutigen Dienstag die Internationale Atomenergie-Organisation über das iranische Atomprogramm. Im Mittelpunkt der Sondersitzung in Wien steht das Nein Teherans zu dem Kooperationsangebot der Europäischen Union. Iran hatte am Montag ein Abkommen mit Brüssel abgelehnt, weil es nicht bereit ist, vollständig auf die Anreicherung von Uran zu verzichten. Die EU fordert dies, um sicherzustellen, dass Iran künftig keine Atomwaffen baut.UN-Generalsekretär Kofi Annan, appellierte unterdessen an Iran, im Streit um seine Atomenergie-Pläne Zurückhaltung zu üben. Teheran müsse die Verhandlungen mit der EU fortsetzen, erklärte Annan nach Angaben eines UN-Sprechers bei einem Telefonat mit dem neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.Teheran hatte am Montag die Arbeit in der seit rund neun Monaten stillgelegten Uranumwandlungsanlage nahe der Stadt Isfahan zum Teil wieder aufgenommen. Vor den Kameras von Journalisten wurde ein Fass mit Uranerz geöffnet, das dort zu dem Gas Uranhexaflorid verarbeitet wird. Aus dem Gas kann hochangereichertes Uran gewonnen werden, das sowohl als Brennstoff für Kernkraftwerke als auch zum Bau einer Atombombe verwendet werden kann.IAEO-Generaldirektor Mohammed el Baradei bestätigte am Abend, dass Iran damit begonnen habe, Uranerz in die Umwandlungsanlage einzufüllen. Dies sei zwar erst nach der Installation von Überwachungskameras der IAEO geschehen, jedoch "bevor sie vollständig getestet werden konnten". Die von der IAEO versiegelten Bereiche der Fabrik seien ungeöffnet geblieben.Die EU will der Wiener Atombehörde eine Resolution vorlegen, in der Iran zur Einstellung aller Arbeiten in Isfahan gedrängt wird. Die USA haben sich darum bemüht, Teheran vor den Weltsicherheitsrat in New York zu bringen. US-Außenamtssprecher Adam Ereli kündigte an, die USA wollten mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien über eine angemessene Reaktion auf das iranische Vorgehen sprechen.Derweil mehren sich im UN-Hauptquartier in New York die Stimmen, die von einer Einschaltung des Sicherheitsrates ausgehen. Amerikanische Diplomaten würden bereits eine Resolution zur Verurteilung Teherans ins Gespräch bringen, hieß es in UN-Kreisen. Danach könne die Verhängung von Sanktionen folgen.