Schröder gestern in München. Ihm war nicht zu entkommen, wird aus dem Süden berichtet. Gerd-Show auf allen Kanälen. Stoiber gleichzeitig im regnerischen Hamburg. Vermutlich hat dieser Auftritt im feindlichen Norden die Münchner Strategen soviel Hirnschmalz gekostet, dass sie ganz vergaßen, dem Schröder-Tag in der heimatlichen Hauptstadt etwas Ordentliches entgegen zu setzen.

Und heute? Stoiber in Berlin. Dort heizt er Merkel ein. Ist ja auch wirklich zu kühl hier in der Bundeshauptstadt. Da kann etwas Wärme aus dem Süden nicht schaden. Stoiber sagt nicht etwa: Die Merkel ist so toll, die schafft locker 45 Prozent. Nein, er sagt: Das Potenzial der Union liege deutlich über 40 Prozent. Mit ihm als Kanzlerkandidaten hatte dieselbe Union vor drei Jahren 38,5 Prozent erzielt, doch das bleibt unerwähnt, damit niemand auf den Gedanken komme, nun sei die Kandidatur besser besetzt. Was sagt er noch? Er habe gehörigen Anteil an dem guten Ergebnis der Union 2002 gehabt. Seine Kanzlerkandidatur sei ein "erheblicher Beitrag" dazu gewesen.

Was ist daraus zu schließen? Vielleicht dies: Eigentlich müsste Merkel den Bayern als Zweit-Kanzlerkandidaten nach Berlin holen (ein paar seiner ewig ungekrönten Nachfolger in München hätten nix dagegen), ihn im Wahlkampf als künftigen Außenminister ankündigen (das Gesicht der FDP-Prätendenten Westerwelle und Gerhardt zu dieser News möchte man zu gerne sehen), mindestens aber als Vizekanzler vorstellen. Ist es das, was er will?

Ratloser Anruf beim Unions-Gewährsmann in München. Ach was, das sei nur ein bisschen Familienzwist - 45 Prozent könne man vielleicht wirklich erreichen. Jedoch sei es immer noch etwas schwierig für die CSU, ihr nach wie vor vorhandenes Unbehagen herunterzuwürgen, dass eine protestantische Frau aus dem Osten Kanzlerin werden soll.

Sagt Berlin: "Das kann doch wohl nicht sein! Der Michel Glos, Chef der CSU-Landesgruppe in der Fraktion, kommt doch mit Frau Merkel zurecht?"

Erwidert München: "Ja, der Glos schon, aber der ist ja in Berlin. Da ist man etwas moderner. Hier kriegen Sie allenfalls einen Macho so weit, dass er zugibt: Aufräumen, das können’s, die Frauensleut!"