Im Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq hat die Bundesanwaltschaft am Dienstag vor dem Hamburger Oberlandesgericht ihr Plädoyer fortgesetzt. Zum Auftakt seines Schlussvortrages am Montag hatte Bundesanwalt Walter Hemberger Motassadeq die aktive Unterstützung der Todespiloten vom 11. September 2001 vorgeworfen. Der Marokkaner war in einem ersten Verfahren zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte die Entscheidung jedoch aufgehoben und das Verfahren nach Hamburg zurückverwiesen. Das Urteil im neuen Prozess soll am 19. August fallen.

Motassadeq habe "keineswegs nur Hilfe unter Brüdern geleistet", sagte Bundesanwalt Hemberger zu Beginn seines Schlussvortrages. Die Freundschaftsdienste des Marokkaners hätten der "Verschleierung" gedient. Motassadeq hatte unter anderem Geldgeschäfte für mehrere Attentäter des 11. September um den Todespiloten Mohammed Atta erledigt und dies im ersten Prozess 2003 vor dem OLG als übliche Hilfsbereitschaft unter Arabern verteidigt.

Das Plädoyer der Anklage hatte sich am Montag um Stunden verzögert, weil das Gericht zunächst einer "Beweisanregung" der Nebenklage nachgehen musste. Der nach Angaben von Oberstaatsanwalt Matthias Krauß etwa sechs bis sieben Stunden lange und 300 Seiten umfassende Vortrag wird daher wahrscheinlich erst am Dienstag beendet werden können.

Hemberger ging in der Einleitung seines Plädoyers auch auf den rechtskräftigen Freispruch des Motassadeq-Freundes Abdelghani Mzoudi ein. Dieser war ebenfalls als Terrorhelfer angeklagt. "Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass Mzoudi Mitglied der Gruppe um Atta war", sagte der Bundesanwalt.

Für die Nebenklage hatte Rechtsanwalt Andreas Schulz am Montag angeregt, zwei in Frankreich inhaftierte Terrorverdächtige, den deutschen Islamisten Christian Ganczarski und den Marokkaner Karim Mehdi, als Zeugen zu hören. Hintergrund sind Presseberichte über eine angeblich enge Verbindung Motassadeqs und der Hamburger Terrorzelle zu einer Duisburger El-Kaida-Gruppe um Ganczarski. Das Gericht sah jedoch nach den Worten des Vorsitzenden Richters "keine Veranlassung, den Beweisanregungen nachzugehen".