Der amerikanische Nachrichtendienst CIA hat die Niederlande in den siebziger und achtziger Jahren mehrfach aufgefordert, den pakistanischen Atomspion Abdul Qadir Khan nicht festzunehmen. Das sagte der ehemalige niederländische Ministerpräsident Ruud Lubbers am Dienstag in einem Interview mit dem Radio-Nachrichtenmagazin Argus .

Khan entwickelte die erste "islamische" Atombombe und gilt als "Vater" des pakistanischen Nuklearwaffenprogramms. In den siebziger Jahren arbeitete Khan in der Uran-Aufbereitungsanlage Urenco in Almelo. Dort soll er wichtige Informationen zum Bau von Atomwaffen gestohlen und später in sein Heimatland gebracht haben.

Lubbers sagte nun, er habe schon 1975 in seiner Funktion als Wirtschaftsminister von Khans Machenschaften gewusst und darüber nachgedacht, wie mit dem Spion umzugehen sei. Die CIA habe die niederländische Regierung daraufhin darum gebeten, Khan nicht festzunehmen. Die Amerikaner hätten argumentiert, sie könnten mehr darüber erfahren, was der pakistanische Wissenschaftler vorhabe, wenn dieser frei sei. Die CIA habe damals vorgeschlagen, Khan lediglich zu verbieten, das Gelände von Urenco zu betreten.

In den achtziger Jahren habe er ein weiteres Mal versucht, Khan festsetzen zu lassen, sagte Lubbers weiter. Mittlerweile war der Christdemokrat zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Die CIA habe Khan bis zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre lang beobachtet. Abermals hätten die Amerikaner aber dem Ansinnen Lubbers widersprochen und darum gebeten, Khan in Freiheit zu lassen. Lubbers sagte, er sei dem Wunsch der CIA nur widerwillig gefolgt. Khan wurde später zwar dennoch von den niederländischen Behörden festgenommen, musste jedoch aufgrund von Formfehlern wieder freigelassen werden.

Schon im vergangenen Jahr hatte die New York Times über diese Vorgänge berichtet, konnte sie jedoch nur unzureichend belegen. Der niederländische Justizminister Piet Hein Donner hatte die Meldung damals zurückgewiesen und jede Einflussnahme der CIA dementiert. Lubbers bestätigte die Annahme der Zeitung nun.

Kahn hat zugegeben, er habe geheime Informationen über den Bau von Atombomben an Pakistan weitergegeben und später auch an Iran verkauft. Die pakistanische Regierung bestätigte diese Darstellung. Am Montag hat Iran beschlossen, seine Anlage zur Anreicherung von Uran in Isfahan entgegen internationaler Proteste wieder in Betrieb zu nehmen. ( kpm. )