In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit kämpft die russische Marine seit Freitag um die Rettung von sieben Seeleuten in einem gesunkenen Mini-U-Boot vor der Halbinsel Kamtschatka. Die Besatzung hat nur noch wenig Sauerstoff. Am Samstag sind amerikanische und britische Bergungsteams eingetroffen. Allerdings nahm das Umladen ihrer Scorpio-Tauchroboter auf Schiffe und der Seetransport zur Unglücksstelle erneut kostbare Zeit in Anspruch, so dass mit einem Einsatz erst für Samstagnachmittag MESZ gerechnet wurde.

Zuvor wollte die russische Marine selbst versuchen, den Anker eines Unterwasser-Lauschgeräts abzusprengen. Das teilte der Kommandeur der Pazifikflotte, Admiral Viktor Fjodorow, nach Agenturberichten in Wladiwostok mit. In der Antenne des Sonars hatte sich das Tauchboot AS-28 angeblich am Donnerstag verfangen. Seitdem hängen sieben Mann Besatzung in 190 Meter Wassertiefe fest. Ihr Zustand sei "den Umständen entsprechend", sagte Marinesprecher Igor Dygalo. Anders als beim "Kursk"-Unglück vom 12. August 2000 forderte Moskau diesmal rasch ausländische Hilfe an.

Der deutsche Fachmann für russische U-Boote Christian Angermann ist optimistisch. Er versichert: "Diese U-Boote sind technisch besser ausgerüstet als unsere und besitzen sehr viele Rettungsmaßnahmen". Dies beginne mit Halterungen, an denen die Boote geschleppt oder hochgezogen werden könnten. Es existierten in der Regel auch Pressluftanschlüsse an der Außenhaut, so dass frischer Sauerstoff hinein gepumpt werden könne. Zudem gäbe es Rettungs-Taucheranzüge. Leider würden diese nur bis zu einer Tiefe von etwa 90 Meter sicher sein. Einzeln könne man die Mannschaft nicht retten, erklärt Angermann. Die Rettungs-U-Boote besitzen zwar eine Andockvorrichtung, das entsprechende Pendant besäßen aber nur größere U-Boote. Die Rettungseinheiten könnten allerdings mit Greifarmen, dass Schiff frei schneiden. "Die Bergung eines U-Bootes ist und bleibt immer eine individuelle Herausforderung", stellt ein Experte der niederländischen Firma Smit klar, die die Unterwasserarbeiten bei der Hebung der Kursk ausführte. Das U-Boot sei reparaturbedürftig gewesen und das Militär habe dies auch gewusst, erklärte dagegen die Werft Krasnoje Sormowo in Nischni Nowgorod. Dort war das Boot vom Typ AS-28 im Jahr 1989 gebaut worden.

Wie bei der "Kursk" machte die Marine erneut widersprüchliche Angaben. Im Lauf des Freitags hieß es zunächst, es gebe genug Sauerstoff für vier Tage. Später wurde die Frist auf zwei, dann auf einen Tag verkürzt. Der Zustand der Matrosen sei "normal", hieß es. In dem U-Boot herrsche eine Temperatur von fünf Grad. "Die Besatzung trägt kältefeste Kleidung, Essen und Wasser reichen für fünf Tage", zitierte die Agentur RIA-Nowosti einen Offizier.

Die Mini-U-Boote der Typen Pris und Bester wurden zur Rettung von Seeleuten aus U-Booten gebaut. Beim Untergang der "Kursk", die durch die Explosion eines schadhaften Torpedos an Bord versenkt wurde, konnten sie indes nichts ausrichten.

Vor fünf Jahren sank das russische Atom-U-Boot "Kursk"