dokumentarfilm Der gute alte Schnauzbart-SexSeite 2/2

Auch in dieser Bewegung gab es manch gloriose Simplifizierung, aber ihre wesentlichen Positionen – Versklavung und Erniedrigung der Sex-Arbeiterin, Verbreitung eines dehumanisierten Frauenbildes und Verdinglichung von Sexualität, schließlich aktive Beleidigung von Frauen in der Öffentlichkeit – werden hier gar nicht entwickelt. Erst recht nicht die aktuelle feministische Diskussion eines Sex-Business, das ja längst auch seine Gegenbewegung in schwul-lesbischer, aber auch in meist zwiespältiger Heteropornografie gefunden hat. Die Autoren bedauern nur, dass die Industrie zu groß und zu lieblos geworden ist, und fragen aktuelle Pornodarstellerinnen mit kugelrunden Silikonbusen, ob sie noch wissen, was Deep Throat war. Natürlich haben die Girls nicht die erwünschte historische Bildung.

Schuld an dieser Selbstvergessenheit des Genres hat immer wieder die alte christlich rechte Linie – Nixon-Reagan-Bush. Das nach diesem Film Allernaheliegendste können seine Autoren aber nicht sehen: dass christlicher Fundamentalismus und industrielle Pornokultur zwei Symptome des gleichen Defekts sind. Nur wo der family-values- Terror sein Regime errichtet, gibt es die Idee der Hure und das Bedürfnis nach Bildern solcher Huren, die man wiederum dafür bestrafen und erniedrigen muss, dass sie einen erregen. Der Film ist allerdings offen, materialreich und unterkommentiert genug, um diesen Umstand auch gegen seine Absicht zu zeigen: nicht als Dokumentarfilm, aber als Dokument.

 
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