Familie Kinder, Küche, Karriere? Nicht bei uns

Deutschland hat weltweit eine der niedrigsten Geburtenraten. Und es sind vor allem die Akademikerinnen, die sich auf ein Leben ohne Kinder einstellen. Helfen kann nur ein neuer Geschlechtervertrag

Warum wir? Warum sind wir ein Land mit so wenig Nachwuchs, und warum sind es in diesem Land die klügsten Frauen, die keine Kinder bekommen? Wir leben seit 60 Jahren in Frieden, verglichen mit estnischen Löhnen, sieht sogar unsere Sozialhilfe ganz passabel aus, unsere politischen Verhältnisse sind stabil. Liegt es an jenem typisch deutschen Ordnungssinn, den man uns im Ausland karikierend zuschreibt? Der große, von den Nationalsozialisten verfolgte Soziologe Norbert Elias beschreibt Deutschland als »verspätete Nation«, deren Bürger – im Gegensatz zu den selbstbewussten angelsächsischen Gesellschaften – stets zu wenig zum »Selbstzwang« fähig waren. Sie brauchten starke äußere Regeln: Gesetze, Obrigkeiten und Hierarchien, um friedlich miteinander umzugehen. Beamtentum und Militär waren klar strukturiert, mit überschau-, plan- und berechenbaren Karrierewegen. Offenbar hat sich das Stufendenken dieser Sphären auch auf unsere Ausbildungskarrieren, vor allem auf das Hochschulstudium übertragen. Und das heißt eben: Der richtige Zeitpunkt für Kinder liegt nach dem (späten) Examen.

Zudem ist es auffällig, dass die Geburtenzahlen nicht nur in Deutschland besonders niedrig sind, sondern auch in den anderen europäischen Ländern, die den Faschismus erlebten: Italien, Spanien und Griechenland. Dieser Umstand lässt unterschiedliche Erklärungen zu: Womöglich hat die Mutterkreuz-Ideologie der Nationalsozialisten zu einer dauerhaften Abstoßungsreaktion geführt – Frauen in Deutschland wollen nie wieder Gebärmaschinen sein. Oder aber das von den Faschisten propagierte Frauenbild (»Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein«) wurde so erfolgreich ins kollektive Bewusstsein geprügelt, dass selbst moderne junge Frauen sich unbewusst an jenem reaktionären Hausfrauen- und Mutter-Ideal orientieren – und befürchten, diesem Bild nie entsprechen zu können, wenn sie gleichzeitig einen Beruf ausübten. Also verzichten sie sicherheitshalber ganz auf Kinder.

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Mut zum Kind hat nur, wer glaubt, eine Zukunft zu haben

Auch die öffentliche Betreuungs-Infrastruktur in Deutschland begünstigte bisher nicht gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Alle Parteien sehen da Nachholbedarf. Doch vielleicht gibt es bei uns bis heute nicht nur den Wunsch nach mehr Kindergärten, Krippen und Ganztagsschulen, sondern auch ein gegenläufiges Gefühl: ein diffuses Misstrauen gegen staatliche Kinderbetreuung, gespeist aus der Erfahrung mit zwei Diktaturen auf deutschem Boden, die jeweils Kinder gegen ihre Eltern instrumentalisieren wollten. Dass Betreuungsplätze nicht alles sind, zeigt sich zudem am totalen Einbruch der Geburtenrate in der (mit Kitas gut ausgestatteten) Ex-DDR – Mut zum Kind entwickelt eben nur, wer glaubt, eine Zukunft zu haben.

So ist es wohl auch ein seit mindestens zehn Jahren andauerndes Krisengefühl, das junge Leute in Deutschland von der Familiengründung abhält – und weil wir in allem besonders gründlich sind, haben wir natürlich besonders viel (nachwuchsfeindliche) Zukunftsangst.

Der Anteil der Frauen an der Entscheidung für oder gegen Kinder ist (obwohl selbstverständlich zwei dazu gehören) meiner Überzeugung nach größer als jener der Männer. Frauen (in Deutschland) können selbst in den finstersten Verhältnissen nicht mehr gegen ihren Willen in die Mutterrolle gezwungen werden. An ihren beruflichen Interessen und Möglichkeiten bemisst sich der »richtige« Zeitpunkt für ein Kind. Das ist nicht nur ein Freiheitsgewinn, das wäre de facto auch ein Machtzuwachs für die Frauen – wenn sie die Kinderfrage nur politisch-gesellschaftlich und nicht rein individuell begreifen wollten.

Bei uns bleiben vor allem die Akademikerinnen (und die ihnen anhängenden Männer) kinderlos. Das ist eine späte Folge der Bildungsreform, der Individualisierungstendenzen, die wir seit den sechziger Jahren beobachten – und der Frauenbewegung. Wem hat sie genützt? Die »Software« der Emanzipation, die Bildungs- und Freiheitsgewinne, das Selbstbewusstsein im Umgang mit Männern, kommt hauptsächlich der weiblichen »Mittelschicht plus« zugute – mit erheblichen Folgen für ihr Privatleben, für die Kinderfrage, für die Beziehungsarchitektur.

Leser-Kommentare
  1. Ein kleiner Erfahrungsbericht. Als Akademikerin mit zwei kleinen Kindern bin ich in Deutschland schon selten. Die Entscheidung für die Kinder hat für mich mit einem vollständigem Leben zu tun. Ohne Kinder fehlt mir was. Übrigends, auch ohne meinen Beruf als Informatikerin fehlt mir was. Als ich mit meinem ersten Kind im dritten Monat schwanger war, rief mich mein damaliger Geschäftsführer, selbst Vater von drei Kindern, zu einem Gespräch, wo er mir die Teamleitung meiner Arbeitsgruppe anbot. Also ein eindeutiger Sprung nach oben. Ich wollte es im Unternehmen zwar später bekanntgeben, nun mußte ich fairerweise Farbe bekennen. Ich dankte ihm für das Vertrauen, sagte dann, dass ich den Job gerne annehmen möchte und verheimlichte nicht, dass ich schwanger bin. Die Antwort darauf war: "Dann hätte ich sie ja nicht einstellen dürfen". Natürlich wurde ich nicht Teamleiter. Nach der Geburt meiner Tochter fing ich nach 6 Monaten von zuhause an zu arbeiten und nach 8 Monaten arbeitete ich halbtags in der Firma. Als meine Tochter 15 Monate war, arbeitete ich wieder vollzeit. Es gab zu dieser Zeit eine Übernahme des Unternehmens durch einen anderen Gesellschafter und im Zuge der Umstrukturierung wurde ich sofort nachdem ich vollzeit wieder da war, entlassen. Glücklicherweise bekam ich im Anschluß einen anderen Job in meiner Stadt und sogar in meinem Beruf. Auch hier war der Inhaber sehr kinderfreundlich, hatte selbst 3 Kinder und beteiligte sich aktiv an der Familienarbeit, indem er einmal in drei Wochen ein Kind zum Zahnarzt begleitete.
    Nach 8 Monaten Firmenzugehörigkeit war ich schwanger mit meinem zweiten Kind. Auch hier arbeitete ich stundenweise von zuhause und wollte eigentlich nach einem Jahr wiederkommen. Ich merkte jedoch auch hier, wie mir während der Schwangerschaft immer mehr Aufgabenbereiche entzogen wurden. Nach der Geburt meiner zweiten Tochter wurde mein Arbeitsbereich in die Schweiz verlegt. Das hatte nichts mit mir zu tun, es passierte einfach. Ich war schon gewarnt, also schaute ich mich schon während der Elternzeit nach einem neuen Job um. Als ich kündigte, war mein familienfreundlicher Arbeitgeber sehr froh.
    Merkwürdig ist an der ganzen Sache, dass die Verschlechterung im Verhältnis zu meinen Arbeitgebern immer erst nach dem Bekanntgeben einer Schwangerschaft stattfand.

    Also, als studierte Frau sollte man damit rechnen, dass der Job unwiederbringlich verloren ist und sich im Voraus Alternativen überlegen. Keinem Mann in Deutschland stellt sich bei der Frage der Vaterschaft die Frage nach der beruflichen Existenz. Es geht nicht um Karriere, es geht überhaupt darum, ob man in seinem studierten Beruf als Mutter arbeiten darf. Familienfreundlichkeit ist ein dankbares Wahlkampfthema, ich denke im Oktober ist alles vorbei und dann gehen die Kindergarten- und Schulschließungen weiter. Frau ist in Deutschland auf sich selbst gestellt und ich erwarte da kurzfristig auch keine Änderungen. Ich habe ein Familiennetzwerk aufgebaut zur Kinderbetreuung. Ohne Krippe, Kindergarten, Schwiegereltern, Kindermädchen und Freunde geht es nicht.

    Damit Männer erfahren, wie es so als Mutter zuhause ist, versuche ich öfters, allein wegzufahren, wenigstens eine Woche. Dann ist der Mann mit den süßen Kleinen allein und kann sich ihnen ganz widmen. Hat bei uns prima geklappt und so habe zumindest ich einen Mann, der die Erziehungs- und Betreuungsarbeit zu schätzen weis. Das ist ganz wichtig, einfach die Männer mit den Kindern alleinlassen! Die können das schon. Machen sie ja mit den Frauen auch. Nur häufiger.
    Ich gehe übrigends auch auf Arbeit, um mich von der Kinderbetreuung zu erholen. Gute Kinderbetreuung ist tatsächlich ein harter Job.

    Rita Barthel Leipzig

  2. Hervorragend, dem Arteikel ist nichts weiter zu zufügen. Bitte kämpfen sie weiter. Kurt Reinartz

    • jegs
    • 17.08.2005 um 23:19 Uhr

    Zitat:"Und die Gesellschaft steht plötzlich vor der schwierigen Aufgabe, immer mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten auf Hochschulniveau zu trimmen."

    Das ist ja fürchterlich. Bin ich froh, dass ich in einer Zeit geboren wurde, in der ich als Kind aus einer bildungsfernen Schicht noch nicht auf Hochschulniveau getrimmt werden musste.

    Allerdings erinnere ich mich, dass auch schon damals vor 50 Jahren die Damen aus besseren Kreisen nicht so reproduktionswillig waren, wie die bildungsfernen Frauen. Und wenn, wurden die Kinder oft von bildungsfernen Frauen, sprich Haushälterin, Kindermädchen oder der noch bildungsfernen Großmutter erzogen.

    • SundB
    • 12.08.2005 um 21:58 Uhr
    4. \N

    Da wurde die Ursache für den drastischen Geburtenrückgang in Deutschland ja mal wieder glasklar identifiziert: Es sind die Männer! Hurra!
    Er hat Probleme mit hochgebildeten Entscheiderinnen als Partnerin. Er will keine Windeln wechseln, kochen und schon gar nicht putzen. Selbstverständlich alles schon reihenweise selbst erfahren und wissenschaftlich belegt.
    Ein Problem könnte vielleicht auch sein, dass die topentscheidende Akademikerin sich auch gerne einen topentscheidenden Akademiker zum Partner sucht. Man(Frau) sollte sich schon auf Augenhöhe bewegen. Hat also der Mann Probleme mit einer Karrierefrau oder hat die Karrierefrau Probleme mit dem Hausmann?
    Im übrigen sorge ich mich um die Konfliktlösungkompetenz in deutschen Partnerschaften. Ist es wirklich nicht möglich das Thema Hausarbeit gerecht auf beide Schultern zu verteilen? Die emanzipierte Frau von heute schafft es wirklich nicht den Totalverweigerer Mann zu aktivieren?
    Woran das wohl liegt?

    • Simt
    • 13.08.2005 um 22:57 Uhr

    Die Artikel zum Thema enthalten einige Aspekte, die in vielen anderen Beiträgen zu diesem Thema verlorengehen. Ein paar Fragen bleiben dennoch: Können sich zwei Akademiker, die beide berufstätig sind, in diesem Land keine Putzfrau und ein Kindermädchen leisten, die schon einmal eine ganze Menge Konfliktpotenzial wegwischen könnten? Das alleine kann es also nicht sein, was die Frauen abhält Kinder zu bekommen, so sie denn einen Ehemann haben.

    Vielleicht sind wir Frauen aber mitlerweile so emanzipiert, dass wir nicht von einem Mann abhängig sein wollen, weil ein Kind uns verbindet.

    Wie wäre es, anstatt durch Ehegattensplitting, Familien durch Erziehungsgeld zu unterstützen. Unabhängig vom Einkommen, sechs Jahre lang, bis die Kinder in die (Ganztags-)Schule kommen, in der sie auch Essen bekommen.

    Es ist doch schließlich ganz nachvollziehbar, das Menschen Angst vor Kindern haben, wenn damit nach einer eventuellen Trennung vom Partner, in sehr vielen Fällen finanzielle Katastrophen verbunden sind- bei Frauen und Männern.

    Wie frei ist eine Gesellschaft, in der Partnerschaft nicht unabhängig von den Finanzen geschlossen und auch wieder getrennt werden können? Der Armutsbericht zeigt dieses Problem deutlich auf: Keine gesellschaftliche Gruppe ist so häufig von Armut betroffen wie Alleinerziehende- über 30 %.

    Das Erziehungsgeld müsste deshalb unabhängig vom Einkommen ausgezahlt werden, damit Frauen auch in jungen Jahren Kinder bekommen können und damit Frauen auch in Zukunft noch befördert werden. Welcher Chef gibt denn gerne eine Gehaltserhöhung, wenn damit die Wahrscheinlichkeit einer Elternzeit zunehmend steigt. 1973 bin ich als fünfjärige mit meiner Mutter auf einer Demo gewesen: "Kinder oder keine entscheiden wir alleine" war das Motto. Der eine Part - keine Kinder zu bekommen haben die Frauen erfolgreich durchgesetzt. Den anderen - Kinder zu bekommen bei hinreichender Absicherung der Lebensqualität - das steht jetzt an. Ich bin gespannt.

    • gg27
    • 13.08.2005 um 17:02 Uhr

    ... die extrem niedrige Geburtenrate kann NUR durch einen neuen Geschlechtervertrag verändert werden? Oder - um es explizit auszusprechen: NUR die Umverteilung der Kosten der Reproduktion von den Müttern (dem weiblichen Part) auf die Väter (dem männlichen Part) sind ein hilfreiches Mittel.

    Neben der Frage, ob ein solches Vorgehen hilfreich wäre und wie es letztendlich im gesellschaftlichen Konsenz umgesetzt werden kann, bleibt auch die Frage offen, ob es überhaupt Evidenz gibt, dass Verwerfungen im Geschlechtervertrag die Hauptursache für das Problem ist.

    Es gibt eine Reihe von empirischen Untersuchungen zu dem Phänomen der geringer Reproduktionrate, die leider von der Autorin nicht genutzt wurden. Eine sehr schöne Untersuchung der Universität Rostock (wiedergegeben in http://www.eheseelsorge.n...) könnte man z.B. nutzen. In dem Artikel werden die Reproduktionsraten der BRD und der DDR (bzw. der Ostländer) von 1945 bis 1996 verglichen.
    Ergebnisse: 1) Bis 1974 verlaufen die Reproduktionsraten in beiden Deutschen Staaten parallel. Wenn man die ca. doppelt so hohe Erwerbsquote der Frauen in der DDR als Indikator für einen untschiedlichen Geschlechtervertrag nimmt, sollte dies eigentlich nicht so sein.
    2) Von 1974 bis 1982 steigt die Reproduktionsrate in der DDR erheblich an und verbleibt danach auf einem relativ hohem Niveau - während der Westen auf dem heutigen niedrigen Niveau verbleibt. Im Osten waren staatliche Anreize wirksam. Hieraus eine Änderung des Geschlechtervertrages zu konstruieren, wäre schon etwas abenteuerlich.
    3) Nach der Wende gab es einen plötzlichen und massiven Rückgang der Reproduktionsrate im Osten und dies vor allem bei jüngeren Frauen.
    Zusammengefasst: Die Reproduktionsrate ist extrem sensibel in Bezug auf gesellschaftliche Änderungen und zeigt m.E., dass die Quote zur Umsetzung des Kinderwunsches eine rationale Antwort der Bevölkerung auf die gesellschaftlichen Randbedingungen ist.
    Die Hauptursache der Problematik im Verteilungskampf der Geschlechter zu sehen, ist m.E. wenig hilfreich und fragwürdig.
    Betrachtet man noch, dass die jetzige Reproduktionsrate (seit Jahren konstant 1,4) extrem weit von der für die Erhaltung der Bevölkerung notwendigen Reproduktionsrate von 2,1 entfernt ist und es hierdurch zu massiven gesellschaftlichen Verwerfungen kommen muss (und auch schon gekommen ist), ist die Diskussion über die Nebelkerze "Geschlechtervertrag" auch noch extrem schädlich. Es geht um den Generationenvertrag (auch ein Vertrag, der nie unterschrieben wird!) und nicht um den Geschlechtervertrag!

  3. Frauen sind der eigentlich grösste Feind einer wirklichen
    Emanzipation.Schon in der Erziehungsphase bestimmen die
    Muetter den Töchtern,"wie ein Mädchen zu sein hat".
    Muetter,welche im Mann immer noch den Brotverdiener sehen,
    haben in der Gesellschaft nicht den Platz fuer berufl.erfolgreiche
    Töchter geschaffen.
    Verglichen mit skandinavischen-,oder ehem.DDR-Frauen,
    haben viele West-BRD Frauen sich wirklich
    nie an einem gerechten Gesellschaftsaufbau beteiligt
    Hej då

  4. Die Familie ist die Keimzelle des Staates? Nicht in Deutschland! Dazu muss man nur ins BGB schauen - nach der Definition des Individuums in den ersten 10 Artikeln tritt dieses Individuum ab § 11 in Interaktion mit anderen Menschen und was tut es? Gründet es eine Familie? Nein - das Familienrecht kommt erst ab § 1200. In Deutschland gründet das Individuum zu erst einen Verein!

    Ich halte dies für keinen Zufall. GG und BGB - 60 bzw. über 100 Jahre alt - geben in vielen Fällen keine brauchbaren Antworten mehr auf die Fragen unserer Zeit, wurden sie doch unter völlig anderen Rahmenbedingungen geschrieben. Wir brauchen in Deutschland eine Debatte über die Grundlagen unseres Staates. Gerade der Respekt vor den Müttern und Vätern des Grundgesetzes gebietet es, dass wir über einen neuen Gesellschaftsvertrag nachdenken. Was ist Gerechtigkeit? Können wir das Steuerrecht vereinfachen, wenn schon der Bundeskanzler geloben muss "Gerechtigkeit gegen jedermann" zu üben und nicht "Gerechtigkeit für alle anzustreben"? Der Unterschied? Das Grundgesetz will individuelle Gerechtigkeit, d.h. alle Gesetze müssen so kompliziert sein, dass alle denkbaren Einzelfälle abgebildet werden. Das Resultat: Gerechtigkeit nur für die Reichen und Cleveren, die sich Rat kaufen können. Nur wenn wir bereit sind, grundsätzlich und grundgesetzlich neu über die Grundlagen unserer Gesellschaft nachzudenken, können auch die von Frau Gaschke zu recht aufgeworfenen Fragen neu beantwortet werden!

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