In der kommenden Woche wird Familienministerin Renate Schmidt den siebten Familienbericht der Bundesregierung vorstellen. Das der ZEIT vorliegende 500-Seiten-Werk, erarbeitet von einer siebenköpfigen Expertenkommission unter Leitung des renommierten Berliner Familiensoziologen Hans Bertram, hatte kein Wahlkampfpapier für die SPD werden sollen, obwohl es nun unweigerlich in den Wahlkampf geraten wird. Der Bericht ist das Ergebnis zweijähriger wissenschaftlicher Arbeit und zahlreicher Diskussionsrunden mit den Vertretern von Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschafts- und Familienverbänden. Dementsprechend komplex, (selbst-)kritisch und nachdenklich ist die Bestandsaufnahme der familienpolitischen Lage in Deutschland ausgefallen.

Im siebten Familienbericht werden Familien (ein wenig mechanistisch und ungelenk, aber im Kern zutreffend) als Orte beschrieben, wo im Interesse der ganzen Gesellschaft "Humanvermögen" produziert wird: "Die Familien schaffen die Basis der Generationensolidarität und der Bereitschaft, Fürsorge für andere zu übernehmen. All dies kommt nicht nur den Familienmitgliedern zugute, sondern nutzt jedermann, selbst dem, der sich an diesen Herstellungsleistungen innerhalb des Familienverbandes nicht beteiligt. So entlasten in familialer Solidarität erbrachte Unterstützungs- und Pflegeleistungen die sozialen Sicherungssysteme.

Die Investitionen der Eltern in die Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder ersparen der öffentlichen Hand pro Kind rund 225000 Euro. Gesellschaftliche Güter, die jedermann nutzt, ohne dass sich jeder an der Entwicklung dieser Leistungen beteiligt, haben die Tendenz, in der Gesellschaft nicht nur knapp zu sein, sondern es besteht auch die Gefahr, dass sich immer weniger Menschen dafür engagieren. Denn aus einer individuellen Perspektive sind die positiven Folgen (…), die jedem einzelnen zugute kommen, erreichbar, ohne dass der einzelne dafür Aufwand betreiben muss."

Wer Beruf und Kinder will, kriegt Schwierigkeiten in der Erwerbswelt

In dieser Sichtweise drückt sich ein fundamentaler Wandel gegenüber der traditionellen Familienpolitik aus: Eltern werden nicht länger als Bedürftige wahrgenommen, deren Behinderung durch Kinder der Staat kompensiert. "Familie" ist vielmehr ein positiver und notwendiger Beitrag zur ökonomischen und demografischen Zukunft des Landes. Das begründet einen Anspruch der Familien auf bestimmte Rahmenbedingungen – und übt einen impliziten Rechtfertigungsdruck auf diejenigen aus, die sich nicht an der Herstellung des "öffentlichen Gutes" Familie beteiligen. Zugespitzt: Fortpflanzung gilt zumindest dieser Bundesregierung nicht mehr allein als Privatsache, sondern als gesellschaftliches Ziel.

Durch den gesamten Bericht zieht sich die Überzeugung, dass dieses Ziel durch eine bloße Ausweitung staatlicher Transferleistungen nicht erreichbar sei. Vielmehr gehe es um eine Entzerrung der biografischen Rush-Hour, die zum Beispiel jungen Akademikern nach langen Studienzeiten und schwieriger Berufseintrittsphase gerade noch ein Fünf-bis-sechs-Jahres-Fenster für die Familiengründung lasse. Entscheidend sei außerdem eine neu zu definierende Frauenrolle: "Es ist heute das Bestreben einer wachsenden Zahl von jungen Frauen, durch eine qualifizierte Berufstätigkeit ökonomische Unabhängigkeit zu erreichen; gleichzeitig sehen sie sich der nach wie vor bestehenden Erwartungshaltung gegenüber, den größten Teil der Haus- und Fürsorgearbeit übernehmen zu sollen. (…) Ihre Doppelorientierung auf Familie und Beruf kollidiert mit den steigenden Anforderungen in der Erwerbswelt (…). Diese biografischen Entscheidungsdilemmata führen entweder zum Verzicht auf die Gründung einer Familie oder aber zu einer erheblichen Doppelbelastung bei Berufstätigkeit."

In drei von vier dänischen Familien verdienen Vater und Mutter