Auf Motivsuche

Organtransplantation

Etwa 11900 deutsche Patienten stehen derzeit auf der Warteliste der internationalen Organisation Eurotransplant in Leiden. Es dauert durchschnittlich ein bis drei Jahre, bis Patienten ein passendes Spenderorgan erhalten – viele sterben vorher. Seit dem  Transplantationsgesetz von 1997 ist die Vergabe von Organen zwar weniger willkürlich, aber als weiches Vergabekriterium bleibt die psychische Beurteilung von Organempfängern und Spendern. Bevor Ärzte einen Patienten bei Eurotransplant anmelden, müssen sie den  »voraussichtlichen Transplantationserfolg« prüfen. »Motivation, soziale Einbindung, Lebensgewohnheiten, aber auch seelische Nöte wie beispielsweise eine hohe Schuldenlast müssen wir mit dem Patienten besprechen«, sagt Herbert Fliege, Diplom-Psychologe in der Psychosomatik der Charité Berlin. Auch bei der Lebendspende sind laut Gesetz die Beweggründe des Spenders zu hinterfragen. Eine eigens eingerichtete Kommission aus Juristen, Medizinern und Psychologen prüft, ob ihn beispielsweise  finanzielle Anreize zur Spende motivieren. »Kommerz ist nicht kontrollierbar«, sagt Thomas Mehlitz, Transplantationskoordinator an der Charité. Häufig stellt sich der Kommission die Frage, ob sich der Spender aus moralischem Druck fügt oder sich verpflichtet fühlt. Nur Verwandte ersten und zweiten Grades, Lebensgefährten, Verlobte und »Personen, die dem Empfänger in offensichtlichem Maße verbunden sind«, dürfen lebend spenden. »Wo da Freiwilligkeit anfängt und aufhört, ist manchmal schwer einzuschätzen«, sagt Mehlitz.

 
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