Nahost Der Quellen-Forscher
Er verwirklicht Ben Gurions Traum: Die Wüste wird zur blühenden Landschaft. Mit der Erschließung von Wasserspeichern will Arie Issar endlich Frieden zwischen Israelis und Palästinensern stiften
Ein Gespräch mit Arie Issar führt immer zum Wasser. Vom Skopusberg, wo man die beste Aussicht über Jerusalem hat, zeigt er auf die engen, verwinkelten Gassen, die seine Heimatstadt zum Labyrinth machen. »Dort unten hat mein Vater Eis verkauft.« Am Ende des 19. Jahrhunderts war der religiöse Jude vor russischen Pogromen geflüchtet. Er lebte davon, in der Jerusalemer Altstadt Klumpen gefrorenen Wassers feilzubieten.
Wasser ist auch für Arie Issar das Element seines Lebens. Fast dreißig Jahre hat der Geologe und Hydrologe im Herzen der Negev-Wüste gelebt, im Zinn-Valley. Den Professor am Wüstenforschungsinstitut von Sde Boker beschäftigte eine elementare Frage: Kann Israel Wasser gewinnen, wo eigentlich kein Wasser ist?
»Schon vor 3000 Jahren bedeutete Wasser hier die Zukunft«, sagt der 78-Jährige mit den schlohweißen Haaren. Er hofft, dass das Wasser diese Rolle auch heute übernehmen kann, und kommt wieder auf seinen Vater zu sprechen. Wie der Eisverkäufer damals arbeitete, Hand in Hand mit arabischen Freunden. »Als Kind lebte ich mit unseren arabischen Nachbarn noch friedlich zusammen.« Dann gab es die ersten Aufstände, die ersten Toten, »weil die Araber versuchten, die Ansiedlung von Juden in Palästina zu verhindern«. Seit Jahrzehnten lässt der Konflikt die Region nicht zur Ruhe kommen. Der Hydrologe aber ist überzeugt, es gibt ein Rezept, diesen zu lösen: »Israels Wassertechnologie kann eine Brücke für den Frieden sein.«
Ein versalzenes Geschenk aus dem Altertum
Seit der Staatsgründung durch David Ben Gurion hat Israels Verlangen nach Wasser stetig zugenommen. Immer mehr Menschen suchen im Heiligen Land nach einer neuen Heimat. Der Visionär Ben Gurion sah die Zukunft des Staates in der Wüste Negev. Er zog nach Sde Boker, damals ein kleines Wüstenkaff zwischen Tel Aviv und Eilat. Und Arie Issar folgte seinem Idol.
»Ben Gurion wollte, dass wir Wasser in der Wüste finden, um Juden anzusiedeln. Wir waren überzeugt, dass wir dort den Siedlungsraum für unser Volk finden müssen.« Im Norden Israels waren die Pioniere bald außerordentlich erfolgreich. Dort ist es heute grün. Und Issar ist einer der Männer, die dies möglich machten. Die Brunnen, die er überall im Land ausgehoben hat, bildeten die Grundlage einer Erfolgsgeschichte. Israel steht heute im Bereich hydrologischer Technik zur landwirtschaftlichen Nutzung an der Weltspitze.
Der Süden des Landes ist immer noch staubtrocken. Flüsse wie im Norden gibt es nicht. Issars Arbeit am Wüsteninstitut wurde daher jahrelang eher belächelt. Wasser in der Wüste? Die meisten seiner Kollegen hielten dies für ein Hirngespinst.
- Datum 11.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 11.08.2005 Nr.33
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