Eine ZEIT-Serie Die Macht der JugendSeite 4/4
An die Stelle von Subversion, Rebellion und Entgrenzung treten Selbstinszenierung, Ritual und Erlebnis. Da schwingt ein konservatives Motiv mit, auch wenn viele Jugendliche es natürlich verabscheuen würden, sich so beschrieben zu sehen. Warum eigentlich? Die Aneignung und Rekonstruktion von Ordnungsmustern geschieht ja nicht im naiven Rückgriff auf eine unrettbar verlorene Bürgerlichkeit. Es ist eher eine Art Instandbesetzung: Wenn die meisten Jugendlichen sagen, sie schätzten die Familie, dann tun viele das im vollen Bewusstsein der Zerbrechlichkeit dieser Form und mit einem gewissen Bangen, ob sie selbst sie denn wohl auch werden ausfüllen können.
Das Leben in Jugendszenen ist Teil der Dynamik unserer Gesellschaft. Wer verstehen will, wohin sie sich entwickelt, muss in die Jugendkulturen hineinschauen. Die Zersplitterung der Jugendwelt macht es zwar schwer, junge Leute für ein nachhaltiges politisches Engagement zu gewinnen, ja sie überhaupt auf einer gemeinsamen Ebene anzusprechen. Die Szenen wären aber nicht so anziehend, wenn sie nicht auch einen enormen Freiheitsgewinn für ihre Mitglieder brächten – und damit für die Gesellschaft. Die fortschreitende Ausdifferenzierung der Lebensstile ist auch ein Trick, mit dem Jugendliche sich ihre Autonomie bewahren angesichts der vielen, die ihnen irgendetwas andrehen wollen – sei es ein neues Produkt oder eine politische Botschaft.
- Datum 11.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 11.08.2005 Nr.33
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