Cola Aus Liebe zur LimoSeite 2/2

»Wir betreiben keine Marktforschung, machen keine Werbung, entscheiden alles im Kollektiv«, sagt Sauer. Das sei zwar nicht ökonomisch, funktioniere aber trotzdem. Chef ist immer der, der die besseren Argumente hat. »Wer zu einer echten Konkurrenz werden will, kommt an einem professionellen Management nicht vorbei«, prophezeit dagegen der Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung alkoholfreie Getränke e. V., Ernst Kammerinke. Doch es geht bei Premium eben nicht um Absatz und auch nicht um Gewinn. Heißt es. »Wir mussten unsere alte Lieblings-Cola einfach echt weiterleben lassen.« Darum geht’s, und genau so holprig formuliert steht es auch auf dem schwarzen Etikett von Premium.

Dass derzeit gar nur rund 22.000 Flaschen im Monat verkauft werden (Kammerinke: »Das füllen unsere Mitglieder normalerweise in zwei Stunden ab«), können sich die Premium-Macher in der Tat leisten: Die Cola ist ihre Leidenschaft, nicht ihre Erwerbsquelle. Alle haben noch einen richtigen Job, ob als Grafiker, Programmierer oder Hubschrauberpilot. Angeblich kennen sie ihre eigenen Umsatzzahlen nicht. Das sagen sie, aber vielleicht ist es auch nur Masche. Jüngst war erstmals geplant, den so genannten Checkern Geld aus dem ersten Gewinn von 1400 Euro für ihre Arbeit zu überweisen, doch diese lehnten ab. Checker, so heißen bei Premium die Leute, die in ihren Städten nach Gleichgesinnten Ausschau halten, die Premium verkaufen wollen und dies auch noch als Mission verstehen.

»Lecker Cola trinken und Konzerne ärgern«

Das müssen keineswegs immer Gastronomen sein. In Wien verkauft eine Bäckerei Premium, in Frankfurt gibt es das kleine Schwarze sogar im Plattenladen. »Gut ist gut«, begründet der Inhaber von Pro Vinyl, Dusan Heric, den ungewöhnlichen Vertriebsweg. Die Premium-Philosophie passe einfach zum Lebensgefühl von Schallplattenfans, die etwas Althergebrachtes zu schätzen wissen. »Manche Leute kommen sogar nur wegen der Cola zu uns«, sagt er. Dagegen hat etwa in Saarbrücken, Nürnberg oder Stuttgart noch niemand Premium im Angebot. Lübbermann meint dazu, man dürfe kein Trendgetränk verkaufen wollen, sondern solle in Premium eine Marke sehen, »die wie ein treuer Kumpel ist«.

Auch bei der Mineralbrunnen AG wächst der Respekt – und die Erkenntnis, dass man die Szene nicht hätte außer Acht lassen dürfen. Das Premium-Konzept um Aufrichtigkeit und Authentizität sei in sich stimmig, lobt Marketingmanager Maluche die Jungunternehmer. »Unsere eigene Strategie hat dagegen in der Tat nicht nur Erfolg gebracht.« Derweil feiert der alte Afri-Kult in Gestalt der Premium-Cola seine echte Wiederbelebung, wenn etwa der Kölner Club namens Gebäude 9 in Ermangelung von Werbepostern selbst gemalte Premium-Plakate aufhängt: »Lecker Cola trinken und Konzerne ärgern.« Ganz so wie früher.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service