Regenwald Auf dem HolzwegSeite 8/8

Sie lockte Arme an, zwei-, dreihunderttausend, aber keiner kümmerte sich um sie. Diese Straße dient letztlich den Mächtigen, die nicht hier wohnen, sondern in Manaus oder Belém. Für wenig Geld kaufen sie die Parzellen der Verzweifelten, kaufen immer mehr, vierzig, achtzig, hundert Parzellen, jede hundert Hektar groß, und roden und roden. Manche fliegen mit Flugzeugen über den Wald, schauen sich aus, was sie haben möchten, kaufen sich einen Notar, der alles besiegelt, dann einen Beamten, der alles bestätigt. Betrogenes Land. Und der Wald stirbt, er stirbt.

Bist du für den Asphalt?

Ach, sagt Erwin Kräutler, ach, es ist ein Fluch. Wäre die Transamazônica asphaltiert, wäre das Leben von so vielen leichter. Ich sah Bauern, die ihren Reis, weil die Straße nur Schlamm war, den Hühnern vorwarfen. Ich sah Leute sterben, weil man sie nicht zum Arzt bringen konnte. Aber wäre die Transamazônica asphaltiert, kämen Reiche. Und die trieben die Armen noch tiefer in den Wald.

Die Transamazônica, sagt Erwin Kräutler, sechsundsechzig Jahre alt, Bispo Prelado de Xingú, Pará, Brasil, dreifacher Ehrendoktor, Innsbruck, Luzern, Bamberg, diese Straße ist ein Widerspruch.

Jetzt spielen sie Bingo in São Pedro, Kilometer 135, und lachen und klatschen, es ist Samstagabend, plötzlich Nacht, der Toyota schaukelt, noch zwei Stunden bis Altamira. Nebel liegt in den Senken und mischt sich mit Staub, eine weiße Wand, keine Sicht hinter Brasil Novo.

 
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