Noch heute kann man sich mit Eins, Zwei, Drei (1961) intelligent amüsieren; seit Ernst Lubitsch hat niemand Situationskomik und Tempo (das Wesen allen Humors) so virtuos beherrscht wie der Nazi-Flüchtling Billy Wilder, der mit Some Like It Hot und The Apartment ein ganzes Kapitel im Film-Kanon des 20. Jahrhunderts geschrieben hat. Doch die zweite Ebene – den Wortwitz, die politischen Seitenhiebe – werden die Nachgeborenen kaum mehr verstehen.

Der Plot handelt vom Westberliner Coca-Cola-Boss McNamara (James Cagney) dem plötzlich die naive, aber sexuell aktive Tochter des Über-Bosses in Atlanta ins Haus schneit. Scarlett verliebt sich in Otto Piffl (Horst Buchholz), den verbohrten Ostberliner SED-Menschen, der Lenin wie einen Rechtsabweichler erscheinen lässt. Um Scarlett aus den Kommunisten-Klauen zu retten, inszeniert McNamara eine Gemeinheit, die Piffl im Osten als CIA-Mann erscheinen lässt. Das war zu clever, denn leider hatte der Scarlett nicht nur geheiratet, sondern auch geschwängert. Sodann sagt sich in Berlin der Papa an, dem Cagney eine Beförderung entsteißen will. Also muss McNamara Otto wieder aus dem Stasi-Knast befreien und ihn in den nächsten 18 Stunden zum Grafen im Cut und Mercedes machen. Alles wird gut.

Wie bei Wilders Idol Lubitsch in Sein oder Nichtsein brilliert hier auch die kleinste Charge. Kein Kultur-Klischee über Deutsche und Amerikaner, Kommunisten und Kapitalisten wird ausgespart, aber eben so ironisch gespiegelt, wie es nur Wilder, der Berliner aus Hollywood, konnte. Allein wegen Lilo Pulver lohnt es sich, diesen Film 44 Jahre später immer wieder anzuschauen. Sekretärin und Geliebte von McNamara, spielt die ansonsten als Quietschente berühmt gewordene Pulver den Part so sexy wie selbstironisch – subtiler als Mae West, witziger als Marilyn Monroe in Manche mögen’s heiß . Wenn die Gags nicht prasseln, schleicht sich bitterböser Humor ein. Zum Beispiel dieser Dialog zwischen McNamara und dessen Adlatus Schlemmer (Hanns Lothar). McNamara: "Natürlich waren Sie kein Nazi und waren nie für Adolf." Schlemmer: "Welchen Adolf?"

Die besten Verbal-Gags laufen leider nur auf Englisch. Zum ersten Mal habe ich den Film in Detroit gesehen. Als ein Juwelier im Dienste der Otto-Verwandlung "Schmuck" anbietet, schießt Cagney zurück: "Was haben Sie gesagt?" Das Publikum brüllte los, weil shmuck im US-Slang eine etwas heftigere Bedeutung hat als der Sammelbegriff für Pretiosen. Die meisten Gags erfordern den vergessenen Kontext des Kalten Krieges. "Bury us, don’t marry us", faucht Cagney Buchholz an. Wer kann diese Anspielung noch entschlüsseln? Sie bezieht sich auf Chruschtschows legendäre Drohung von 1960 an die USA: "We shall bury you."

Begraben wurde der Kommunismus, so wie es McNamara voraussagt: "Eine Welt, die das Tadsch Mahal, Shakespeare und gestreifte Zahnpasta hervorbringt, kann so übel nicht sein." Von einem Billy Wilder gar nicht zu reden. Josef Joffe