iran Der Hegemon am GolfSeite 2/2
Die Pasdaran streckten ihre Fühler aus, zum Libanon, nach Afghanistan, in den Irak und die arabischen Golfstaaten. Manchmal konnte Iran mit stillschweigender Hilfe befreundeter Regierungen rechnen. Mohsen Rezaii, ehemaliger Kommandeur der Pasdaran, hat beispielsweise zugegeben, dass Syrien Iran aktiv unterstützte: »Während des Krieges mit dem Irak erlaubte uns Syrien, seine Militärbasen zu nutzen, um den Feind zu bombardieren.« Ähnlich starke Verbindungen bestehen zu den Schiiten im Libanon, namentlich der Hisbollah, die jahrelang die israelische Armee angriff und immer wieder Raketen auf Nordisrael abschießt. Heute sitzt die Hisbollah als einflussreiche politische Kraft im libanesischen Parlament. Ihr Führer, Scheich Hassan Nasrallah, war der zweite Gast, den Achmadineschad als neuer Staatspräsident empfing, der erste war Syriens Machthaber Baschar al-Assad.
Diese Netze, geknüpft in den achtziger Jahren, sind intakt geblieben. Heute allerdings haben sie eine defensive Funktion. Es geht darum, die Bedrohung für das System frühzeitig und mit allen Mitteln abzuwenden. Der Kampf spielt sich in dem weiten Bogen ab, den man den schiitischen Halbmond nennt. Er reicht vom Libanon über den Irak bis nach Afghanistan und Pakistan. Für Teile dieses strategischen Glacis haben die Pasdaran zwei Divisionen abgestellt: die Division »Ansar« für Afghanistan sowie die Division »Qods« für Syrien und Irak – und gerade hier prallen die Weltmacht USA und der Möchtegernhegemon Iran heftig aufeinander.
Als am 3. August dieses Jahres in der irakischen Stadt Haditha 14 US-Marines durch eine Bombe getötet wurden, war das ein Schock für die US-Armee. Noch nie war eine so starke Bombe eingesetzt worden. Die USA beschuldigten Iran des Angriffs. Von dort stamme das Material und das Know-how zum Bau solcher Sprengkörper. Beweise für die Verwicklung der iranischen Regierung gibt es nicht. Sicher ist aber, dass der Einfluss der Pasdaran im Irak erheblich ist. In den achtziger Jahren haben sie die Badr-Brigaden ausgebildet, irakische Schiiten, die mit der Waffe in der Hand gegen Saddam Hussein kämpften. Die Badr-Brigaden sind heute der militärische Arm des Supreme Council for Islamic Revolution in Irak (SCIRI). Der SCIRI ist bei den irakischen Wahlen im Januar zur stärksten Partei im Irak gewählt worden und regiert heute das Land, an der Seite der Dawa-Partei, einer weiteren schiitischen Partei mit engen Kontakten nach Teheran. Dawa stellt mit Ibrahim al-Dschafari den irakischen Ministerpräsidenten. Er unternahm seine erste Auslandsreise nach Teheran, wo er ganz offen begann, eine strategische Allianz mit Iran zu knüpfen. Die Kritik, die aus den USA kam, ließ Dschafari an sich abprallen. Der Irak, sagte er, sei frei, sich seine Bündnispartner auszusuchen.
Der Einfluss Irans im Irak ist unübersehbar, und er ist bei weitem nicht nur militärischer Natur. Es sind vor allem schiitische Mitglieder der irakischen Verfassungskommission, die darauf drängen, den Islam als »einzige Quelle der Rechtssprechung« durchzusetzen. In Städten wie Basra verwirklichen schiitische Milizen bereits eine Art Gottesstaat im Kleinen.
Der neue Irak wird mehr und mehr so, wie es sich der strengreligiöse iranische Präsident Achmadineschad vorstellen dürfte – wenn der Irak nicht nach dem Bild der Hardliner gerät, hat Teheran immer noch die Option, den USA das Leben dort erst richtig schwer zu machen.
- Datum 18.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 18.08.2005 Nr.34
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Ein bemerkenswerter Punkt, den der Beitrag des geschätzten Mr. Fazel tatsächlich enthält, scheint mir die von ihm hergestellte Parallele zum Ausbruch des 1. Weltkriegs zu sein: Hätte Österreich sich nicht auf dem Berliner Kongress drängen lassen, als Vollstrecker der westlichen Wertegemeinschaft in Bosnien aufzutreten und das Land wider besseres Wissen zu besetzen, wäre Franz Ferdinand nie in Sarajevo ermordet worden. Mit anderen Worten bei zu starkem Engagement im Namen einer zu schlecht definierten Wertegemeinschaft kann man leicht im Regen stehen bleiben. Warum auch sollte ein Iraner weniger moralische Integrität besitzen als ein Amerikaner oder Deutscher, und deshalb im Gegensatz zu diesen für die Atomforschung ungeeignet sein? Und noch eine Anekdote zum Thema Isolation: Als Deutschland und Österreich die Pariser Weltausstellung boykottierten, war der persische Schah der ranghöchste Regierungschef, der zu der eher verhalten besuchten Gegenveranstaltung nach Wien reiste.
Sehr geehrte Herren Tavana und Ladurner,
beim Lesen Ihres Artikels in DIE ZEIT sind mir einige Punkte eingefallen, die ich hier anbringen moechte.
-Sie schreiben von einem Golf.Wie heisst diser Golf genau?? Wie Sie ja wissen, hat jeder Golf auf dieser Erde einen Namen.Ich weiss aber nicht, warum Sie sich davor straeuben den genauen und vor allem korrekten Namen des erwaehnten Golfs anzugeben. Haben Sie ein Problem mit ihm? Besonders frage dies ich Herrn Tavana.Ich moechte Sie darauf hinweisen und erinnern, dass vor einem oder zwei Jahren das international Geography-Institut in England in seinen Karten den richtigen Namen des Persischen Golfs, von dem hier die Rede ist,falsch geschrieben. Das hat sehr viele Proteste als Folge gehabt, so dass das Institut die Karten vom Markt zurueckgenommen hat und es berichtigen musste.
- Der Iran steht da nicht so isoliert, wie Sie es meinen, es sei denn Sie wuerden meinen, dass einige europaeische Staaten und die USA sind die ganze Welt. Ich darf Sie darauf hinweisen, dass in der IAE einige Staaten wie Malaisien, Indonesien und noch eins oder zwei andere Staaten gegen die von dem europaeischen Troika vorgeschlagene Vorlage waren.Der Iran hat gut Beziehungen zu Russland, China, Indien, arabischen Staaten wie Saudi Arabien, Kuwait,Oman,Algerien,aber auch zu Venezuella, Griechenland und .....
Eine Isolierung kann ich da nicht erkennen.
-Wenn der Iran einen so schlechten wirtschaftlichen Zustand haette, wie Sie geschrieben Haben, wie kommt das man im Iran auf eigene Kraft ohne fremde Hilfe zur Kernkraft-Tchnologie und vielen anderen wissenschftlichen Errungenschaften gekommen ist.Wissenschaftliche Fortschritte sind ohne eine halbwegs funktionierende Wirtschaft schlecht moeglich.
MfG
Fardad Azizkarimi
What is it this recent German obsession with Iran? Are we to understand that a people who practically started two World Wars, sent 6 million Jews to the gas chamber, and helped Saddam put together his chemical warfare infrastructure, is now all of a sudden a proponent of world peace? Puhleeze, get real.
Persians are praised in the Hebrew Bible as saviors. Ironic that of all people, it is now the militaristic Germans who have the audacity to lecture Persians.
Das wurde schon zwar erwähnt, dass Iran gar nicht so isoliert ist, aber noch mal mit harten Fakten (Quelle: BBC- Nachrichten): vor Paar Tagen Pakistan und Indien haben die Einmischung der USA beim Bau von Pipeline von Iran nach Indeien abgelehnt und ignoriert. China hat auch Interesse daran. Etwas früher: Paar chinesische und indische Unternehmen wurden mit Einfuhrbeschränkungen in die USA bestraft, weil sie den Iran mit Hochtechnologie versorgt haben.
Kann es sein, dass der Westen inzwischen keine wirtschaftlich dominierende Kraft in der Region ist und das die Quelle des Selbstbewusstseins ist? (und vor Paar Monaten hat da ein Japaner von Ende der Geschichte schwadroniert:-)
Weshalb Iran so selbstsicher auftritt? Ganz einfach: Weil es sich Busch nur einmal überlegt hat, bevor er im Irak einmarschiert ist. Er hätte es sich zweimal überlegen sollen.
Die Iraner wissen, dass Busch nun eben gezwungen ist, es sich zweimal zu überlegen, bevor er gegen ihr Land etwas unternimmt. Hätte er sein Pulver noch im Trockenen, würden sich nicht nur der Iran, sondern auch Nordkorea, Syrien und andere zweimal überlegen müssen, ob es tunlich ist, das zu tun, was sie tun, nämlich den USA auf der Nase herumtanzen.
Ich glaube, dass die iranischen Politiker sich sehr wohl bewusst sind, in welcher Lage sie sich befinden. Sie regieren schon seit 26 Jahren und wussten nach einigen Jahren, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Revolution bereute, aber bis heute sprechen sie über die Zufriedenheit und Glück der Iraner und sich insgeheim voller Ansgt, dass die Menschen jederzeit aus ihren Häusern rausstürmen und eine neue Revolution herbeirufen. Deshalb nimmt die Pastaran auch jeden fest, der nur das Wort Revolution in den Mund nimmt.
Die iranische Regierung blufft nur, wenn sie sich nach außen cool und gelassen gibt. Nach innen ist sie sich sehr gut bewusst, dass das Land einen Krieg bevorsteht und die Menschen sie aus tiefster Seele verabscheuen.
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