musik Die Meistersinger aus TokyoSeite 2/2
Suzukis Art, Bach zu musizieren, leuchtet von innen, sie scheint über das Kraftfeld der Meditation geschritten, aber sie verhaucht sich nicht, sondern imponiert durch Frische und Dynamik, Elan und stimmlichen Kern – nicht nur im Forte, sondern auch im schwerelos-jenseitigen Piano. Kein Säuseln, niemals. Selbstverständlich ist das Musizieren auf historischen Instrumenten keine japanische Erfindung, sondern ein Import; aber in 15 Jahren des nimmermüden Trainings ist die Herkunft unbedeutend geworden; Suzukis Bach-Pflege ist in Japan selbst zu einem Original geworden.
Auch Suzukis Lesart der h-moll-Messe bietet fürwahr mehr als fabelhaftes Musizierhandwerk: Bei ihm sind die letzten Takte des Confiteor wirklich ein chromatisch angstäugiger, geheimnisvoller Ahnungsgesang, den der Dirigent dann mit beinahe swingender Erlösungswonne in den D-Dur-Jubel ausbrechen lässt. Den früh entstandenen Wunsch, das Werk einmal aufzuführen, hat Suzuki übrigens nicht von schlechten Eltern. Seine erste eigene Schallplatte war Karl Richters Aufnahme des Werks, von der er noch heute ehrfürchtig sagt: »Die hat mir klargemacht, wer Bach überhaupt ist.« Über diese Frage grübeln auch die Musiker des Bach-Collegiums unaufhörlich. Wer in der Aufführung nicht beschäftigt ist, hat die Augen zum Zwecke erfüllenderen Lauschens geschlossen.
Nach der Ansbacher h-moll-Messe war das Bach-Collegium Japan beim Schleswig-Holstein Musik Festival zu Gast, wo es auch das Magnificat, Motetten und Kantaten in Bachs Vaterland zurückbrachte. Abermals ungläubige Begeisterung. Suzuki selbst hat sich hernach für Lübeck, Altenbruch und Dänemark noch ein paar Orgelkonzerte verordnet – damit neben dem vielen Dirigieren die Beinarbeit nicht vernachlässigt wird.
- Datum 18.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 18.08.2005 Nr.34
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