Porträt Wächter der Forschung
Das Metier des Sozialwissenschaftlers Stefan Hornbostel ist die Wissenschaftsforschung – eine seltene Disziplin in Deutschland. Nun wird er der erste Direktor eines neu gegründeten DFG-Instituts, das wissenschaftlichen Erfolg misst
Stefan Hornbostel ist die Wissenschaftsforschung – eine seltene Disziplin in Deutschland. Nun wird er der erste Direktor eines neu gegründeten DFG-Instituts, das wissenschaftlichen Erfolg misst
Dieter Simon wählt große Worte: »Wohin, deutsche Wissenschaft?« Das sei die »dringlichste, aber am wenigsten gestellte Frage« im Forschungsbetrieb, analysiert der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Die Mahnung, die deutsche Wissenschaft treibe orientierungslos, ohne kritische und selbstkritische Beobachtung vor sich hin, ist bekannt. Bereits 1999 rügte eine hochrangig besetzte internationale Kommission, der hiesigen Wissenschaft mangele es an Qualitätskontrollen. Doch nun ist Abhilfe in Sicht, freut sich Simon, der als ein scharfer Beobachter gilt. Ein Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) unter der Leitung von Stefan Hornbostel schicke sich an, der Wissenschaft den Spiegel vorzuhalten.
IFQ was? Stefan Hornbostel wer? Nicht einmal Eingeweihte kennen bislang die beiden Namen, auf denen Simons Hoffnungen ruhen. Befragt man den mit solchen Erwartungen Bedachten selbst, vermeidet er pathetische Vokabeln. Dafür ist Stefan Hornbostel zu nüchtern, wird seine Mission von zu vielen Skeptikern beäugt. Ein »Dienstleister für die Wissenschaft«, eine »Hilfseinrichtung« solle das IFQ werden, stapelt er tief. Ähnlich bescheiden stellte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das neue Institut Anfang vergangenen Monats ohne viel Aufhebens vor.
Dabei verspricht sich die DFG viel von der Einrichtung und ihrem Leiter. Der größte deutsche Forschungsfinancier möchte wissen, ob er sein Geld richtig ausgibt. Erhält ein Wissenschaftler so genannte Drittmittel von der DFG, gilt dies als Auszeichnung. Doch warum eigentlich? Profitieren tatsächlich die besten Wissenschaftler von den jährlich 1,4 Milliarden Euro – oder nur die am besten etablierten? Erwachsen aus den vielen Sonderforschungsbereichen richtungweisende internationale Publikationen, oder graben die geförderten Wissenschaftler die ausgetretenen Wege nur etwas tiefer? Und was wird aus den Nachwuchswissenschaftlern, welche die DFG unterstützt: Schaffen sie es, Professor zu werden, landen sie im beruflichen Abseits oder flüchten sie ins Ausland? Vermutungen gibt es viele, abgesicherte Erkenntnisse kaum.
Auf die Prüfung der DFG-Förderung wird sich die Arbeit des IFQ jedoch nicht beschränken. Das neue Institut soll – so steht es in seiner Satzung – über »Ergebnisse und Erfolge« der hiesigen Forschung insgesamt berichten. Internationale Hochschulvergleiche weisen deutschen Einrichtungen nur mittelmäßige Plätze zu. Stimmt diese Analyse, muss sich etwas ändern. Was – auch dazu soll das IFQ Hinweise erarbeiten. Insofern kann der Einrichtung tatsächlich eine große Bedeutung zuwachsen und ihr Direktor zu einer der Schlüsselfiguren in der deutschen Wissenschaft aufsteigen.
Gerade für Stefan Hornbostel war eine solche Position nicht abzusehen. Lange Zeit sah es im Gegenteil so aus, dass den promovierten Sozialwissenschaftler das Schicksal des ewigen wissenschaftlichen Mitarbeiters ereilte, der sich von Stelle zu Stelle hangelt. Es war sein Erkenntnisinteresse, das ihn den Stempel »im deutschen Hochschulbetrieb schwer vermittelbar« aufdrückte. Denn Hornbostel ist ein Wissenschaftsforscher. Er untersucht, was es bedeutet, wenn ein Professor einen anderen zitiert, ob mit Drittmitteln geförderte Projekte tatsächlich mehr Publikationen hervorbringen und wie man die Qualität von Wissenschaft messen kann. Dass man dies tun muss, steht für ihn außer Frage. »Gute Forschung muss sich nicht nur selbst verwalten, sondern auch selbst kontrollieren«, sagt er, »und zwar mit wissenschaftlichen Mitteln.«
- Datum 18.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 18.08.2005 Nr.34
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