Nicht, dass man keine Probleme hätte. Liegt der neue V8 Vantage, der kleine Aston Martin für jeden Tag, zum Beispiel mit 120000 Euro preislich nicht doch etwas nah bei den popeligen Maserati GT, Porsche 911 oder Mercedes-Benz 500 und ist damit eigentlich inakzeptabel? Was könnte man wegen des geplatzten Dates rasch telefonisch als Trost für die Liebste ordern – ein Paar Melody Boots zu 1600 Euro von Jimmy Choo in der New Bond Street? Sind die kubanischen Partagas-Reserva-Zigarren, von denen weltweit nur 5000 Zwanzigerschachteln zum Preis von 1000 Euro ausgeliefert werden, so gut, dass man den Butler bei Davidoff in der St. James Street vorbeischicken sollte?

Es gibt da eine Instanz, die Rat und Hilfe weiß: How to spend it. Einmal monatlich liegt der in der Londoner City – der reichsten Region Europas – erscheinenden Financial Times ein Hochglanzmagazin bei, das den Reichen der Welt Weisung für ihr Lebensproblem gibt: Wie wird man überflüssige Millionen los? Hemmungsloser Luxus heißt die Lösung. Zwischen ganzseitigen Anzeigenstrecken von Rolex, Rolls Royce, Raffles-Hotels und den anderen Edelmarken der Welt wird dort über die teuersten Klunker in den Vitrinen der Juweliere auf der Sloane Street berichtet, über Wohnungsinterieurs, die über Ikea-Verdacht erhaben sind, oder über käufliche Privatwälder nur eine halbe Stunde von der Londoner City entfernt – per Hubschrauber.

Als starkes Indiz dafür, dass man den neuen Aston Martin vielleicht doch haben sollte, wertet die Juli-Ausgabe, dass der Prince of Wales sich den CEO von Aston Martin mit einem Stück seiner jüngsten Hochzeitstorte gewogen zu machen versuchte, damit Camilla auf der Warteliste für den neuen Baby-Aston aufrückt. Zigarrentester Nick Foulkes indes fand die Partagas Reserva, zu deren Verkostung er sich eigens nach Havana begeben hatte, für seinen Geschmack denn doch etwas "too strong".

Im Aufmacher der August-Ausgabe bringt das Leitmedium des Luxus denen, die sich Jugend für größere Summen kaufen können, die neuesten gentechnischen Errungenschaften der Anti-Aging-Medizin nahe. In den Wohnbereich integrierte Gärten werden wegen der günstigen Aufwand-Ertrags-Relation propagiert: Ihre Pflege kostet weniger Zeit, und sie lassen sich auch bei Regen nutzen, anders als der gute alte Garten hinterm Haus. Am Ende des Blattes darf eine leicht überdrehte Star-Innenarchitektin beschreiben, was sie unter einem ruhigen "perfect weekend" mit Sir M. auf ihrem Landsitz versteht – der Butler mit dem guten Auge deckt den Gartentisch für fünfzig Leute.

How to spend it ist ein kleiner ökonomischer Erfolg, anders als das chronisch defizitäre Mutterblatt Financial Times. HTSI -Chefredakteurin Gillian de Bono weist auf über zehn Jahre ständig gewachsene Anzeigen- und Blattumfänge hin. Die für eine Glamour-Journalistin ausgesprochen bescheiden wirkende 53-Jährige sitzt in einem spärlichen Gemeinschaftsbüro im FT- Hauptquartier an der Southwark Bridge. Das aufwändig auftretende Blatt wird eher lean gemacht: Vier Vollzeitkräfte produzieren die Seiten an ihren PCs, die Texte stammen ausschließlich von Freelancern. De Bono betont, dass man sich Themen nicht von Anzeigenkunden und PR-Agenten vorgeben lasse.

Sie genießt ihren Erfolg. Überrascht war sie aber doch, als ihr Blatt vergangenes Jahr bei den British Press Awards zum Supplement des Jahres gekürt wurde. Gegen die guten Wochenendbeilagen der Tageszeitungen hätte sie für ihr Produkt keine Chance gesehen. "Außerdem", sagt sie, "gibt es dieses generelle Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist, wenn Leute so wahnsinnig viel Geld haben." Aber die Jury habe gerade die Unverblümtheit des Bekenntnisses zum Luxus beeindruckt. "Und warum sollen die Superreichen kein Recht auf ein eigenes Magazin haben – so wie jeder Hobbyangler auch? Wer die Preisschilder an den von uns vorgestellten Produkten obszön findet, braucht uns ja nicht zu lesen."

"Ein- bis zweimal im Jahr", sagt de Bono, "bekommen wir schon einen kritischen Leserbrief." Die Halskette zum Beispiel für 400.000 Euro kam nicht überall gut an, zumal die Bildredaktion sie unbedingt auch noch um den Hals eines Hundes drapieren musste. "Über ein diamantenbesetztes Hundehalsband hätten wir natürlich nicht geschrieben. Wir sind keine Snobs."