Politisches Buch Loyal bis in den UntergangSeite 3/3
Exakt schildern Mark Spoerer, Ela Hornung, Ernst Langthaler, Sabine Schweitzer und Oliver Rathkolb die Lage der Abermillionen von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und Häftlingen in der Industrie- und Landwirtschaft. Diese faktenreichen 250 Seiten unterstreichen noch einmal, wie überfällig die Entschädigungsleistung für Zwangsarbeiter vor der allzu späten Regelung war.
Das düstere Kapitel der Behandlung der Kriegsgefangenen ist von Rüdiger Overmans, dem besten Kenner der deutschen Kriegsverluste, geschrieben worden. Während bei den westeuropäischen Gefangenen die kriegsrechtlichen Vorschriften grosso modo beachtet wurden, hat von circa 5,3 Millionen russischen Gefangenen nur knapp die Hälfte überlebt, da die unverhüllte Vernichtungsabsicht sich über alle Rechtsregeln hinwegsetzte. Nicht minder erhellend ist Bernhard Chiaris Beitrag über die deutsche Besatzungspolitik in der Sowjetunion. Nicht nur Ausbeutung, Partisanenkrieg und Vernichtungskrieg, sondern auch die vergeudeten Chancen einer Kooperation mit den baltischen Völkern, den Ukrainern und den Kaukasusstämmen werden von ihm kenntnisreich geschildert. In einer luziden und kompakten Schlussbetrachtung hebt Hans-Ulrich Thamer die Grundlinie des gesellschaftlichen Wandels in der Kriegszeit hervor, dem die womöglich noch tiefer reichenden Umwälzungen der Nachkriegsjahre folgen sollten.
Fraglos stellen diese beiden Bände eine überaus eindrucksvolle Gesamtleistung dar, von der Öffentlichkeit und Forschung fortab profitieren werden. Sie dementieren auch denkbar überzeugend die hämische Kritik, die Götz Aly in seinem Buch über Hitlers Volksstaat unlängst geäußert hat: dass nämlich die Arbeit des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in konventioneller Routine erstarrt sei und sich nicht auf die lichte Höhe seiner eigenen Forschungsergebnisse schwingen könne. Die Deutsche Kriegsgesellschaft beweist, gerade rechtzeitig, jedem unvoreingenommenen Leser das genaue Gegenteil. Wie erquicklich wäre es, wenn der Verlag diese imposanten Bände in zehn, zwölf Paperbacks zu einem erschwinglichen Preis den Interessenten zugänglich machen würde!
Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939–1945KriegPolitisches BuchDas Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg; Band 9 in zwei Halbbänden; je Band 49,80 EuroJörg Echternkamp (Hrsg.)BuchDeutsche Verlags-Anstalt2004/05München49,80933 und 1112- Datum 31.10.2007 - 03:08 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 25.08.2005 Nr.35
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