Technik Kleber, Lack und LösungSeite 3/3
Auf antiker Bronze wird die Patina geschätzt, nicht aber auf Plastik
Auch wenn die Restauratoren inzwischen viele Kunstgriffe beherrschen, um den Verfall hinauszuzögern, ändert dies nichts daran, dass die Objekte im Lauf der Zeit altern. Wie die Restauratoren bangen private Sammler, Museen und Versicherer um den Fortbestand des Kulturguts aus Kunststoff. Sie alle sind daran interessiert, dass sich ihre Kostbarkeiten nicht in einen Haufen wertloser Brösel verwandeln.
So kommt es nicht von ungefähr, dass das Museum und die Kunstversicherung AXA Art an einem Strang ziehen, um Kathrin Keßlers Arbeit zu ermöglichen. Denn Kunststoffobjekte erzielen auf Auktionen horrende Preise. Sind die alterungsbedingten Schäden so schwer, dass ein Werk in seinem Bestand bedroht ist, kann das für die Versicherung teuer werden. »Viele Leute verbinden mit Kunststoffen noch immer die Aura des Unzerstörbaren und Dauerhaften. Deshalb wird weniger sorgfältig auf ihre Erhaltung geachtet, als dies bei anderen Materialien üblich ist«, sagt Gabriela Rossi, Kunsthistorikerin und Marketing Manager von AXA Art in Zürich.
Dabei kann Alterung durchaus positive Seiten haben. Eine antike Bronze gilt als besonders wertvoll, wenn die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat. Bei Kunststoffen ist dies anders. Da diese Objekte erst kürzlich angefertigt wurden, empfinden die Liebhaber die Patina meist nicht als schön; sie mindert den Wert. Da es außerdem so viele verschiedene Kunststoffe gibt, existiert keine klare Definition für ihre spezifische Patina. Im Grunde müsste für jedes Material eine eigene Definition her. »Ein Patentrezept für die Restaurierung aller Objekte gibt es daher nicht«, sagt Keßler. Jeder Fall braucht eine individuelle Lösung. »Und nach der muss man suchen.«
Der Mensch...
Kathrin Keßler absolvierte nach dem Abitur eine Tischlerlehre. Nach
einem Ausflug in die Kunstgeschichte an der Universität Münster und
mehreren Praktika ließ sie sich an der Fachhochschule in Köln für die
Restaurierung und Konservierung von Kunst und Kulturgut aus Holz
ausbilden. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Möglichkeiten,
Zelluloid zu restaurieren. Seit zwei Jahren arbeitet sie am Vitra
Design Museum in Weil am Rhein.
und seine Idee
Als Möbeldesigner und Künstler begannen, Objekte aus Kunststoff
herzustellen, setzten sie auf die unendlich erscheinende Haltbarkeit
des Materials. Jetzt zerfallen die Kulturgüter erschreckend schnell.
Kathrin Keßler versucht, diesen Prozess aufzuhalten. Für jedes Objekt
muss sie dabei eine individuelle Lösung finden. Auf diese Weise haben
Restauratoren in den vergangenen Jahren viel über das Altern des jungen
Werkstoffs gelernt.
- Datum 25.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 25.08.2005 Nr.35
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