Dresden

Kündigt ein Vorgesetzter mit Blick auf einen Untergebenen eine fürsorgliche Maßnahme an, dann klingt das nach einer positiven Wendung des beruflichen Schicksals. In Sachsen kann diese Formulierung auch eine andere Bedeutung haben. Der Dresdner Staatsanwalt Andreas Ball, bis vor kurzem Ermittler in einer speziellen Anti-Korruptions-Einheit, ist dank der Fürsorge seiner Vorgesetzten von dieser Aufgabe entbunden worden.

Staatsanwalt Ball hatte gegen einen der einflussreichsten Männer Sachsens ermittelt: Kajo Schommer, CDU-Mitglied und von 1990 bis 2002 Wirtschaftsminister unter Kurt Biedenkopf, hatte, kaum aus dem Amt, einen Beratervertrag bei den Müllverwertern vom Dualen System (Grüner Punkt) unterschrieben. 600 000 Euro in nur sieben Monaten - womit Schommer das verdient hat, konnte bislang niemand plausibel erklären. Der Exminister habe sich bei seinem neuen Dienstherrn voll eingebracht, sagt sein damaliger Auftraggeber.

Staatsanwalt Ball und seine Kollegen finden diese Tätigkeitsbeschreibung, nicht ganz zu Unrecht, dubios.

Exminister Schommer dagegen sieht sich einer Rufmordkampagne ausgesetzt.

Besonders erzürnt es ihn, dass die Lokalpresse vorab von einer nächtlichen Hausdurchsuchung erfahren hatte und den CDU-Mann tags darauf im Schlafanzug abbildete. Der Tipp an die Presse, behauptet Schommer, müsse von der Staatsanwaltschaft gekommen sein.

Nun ist dies eine erstaunliche Vermutung, wie jeder weiß, der die Arbeitsweise von Polizeireportern und insbesondere ihre Neigung kennt, verbotenerweise den Polizeifunk abzuhören. Sachsens Justizbehörden aber scheinen Schommers Verdächtigung plausibel zu finden. Sie eröffneten ein neues Ermittlungsverfahren - diesmal gegen ihren eigenen Ermittler.